Herzlicher Dank für eine Spendenaktion zum 60. Geburtstag

Ende letzten Jahres kam der Zimmerermeister Olaf Mauermann aus Melaune mit einer ungewöhnlichen Idee auf uns zu. Zu seinem bevorstehenden 60. Geburtstag wollte er, anstelle von Geschenken, seine Gäste um Spenden zugunsten des Diabetikerbundes bitten. In seiner Einladung war dann zu lesen: „Bitte keine großen Blumensträuße (schade drum), keine Gutscheine ohne Terminierung (verfällt gewöhnlich) und keinen Schnaps (vertrage ich nicht mehr). Stattdessen bitte ich um Spenden an den Deutschen Diabetiker Bund, LV Sachsen e.V.“ Und seine Gäste haben freigiebig gespendet.

Diese Aktion hat eine Spendensumme von unglaublichen 2.240 Euro zusammengebracht und wird in dem Projekt „Beratung und Betreuung“ dazu beitragen, kürzlich diagnostizierten Diabetespatienten, sowohl Kinder und Jugendlichen als auch Erwachsenen, den Umgang mit ihrer Erkrankung zu erleichtern.

Der Landesvorstand bedankt sich sehr herzlich für diese gelungene Aktion und wünscht Herrn Mauermann alles Gute.


 

Notarin schulte Selbsthilfegruppe

Die Selbsthilfegruppe Diabetiker Bad Düben konnte die Notarin, Frau Reinhold, aus Eilenburg für eine Schulung zum Thema „ Vollmachten“ gewinnen.

Dieses Thema war so Interessant, dass auch viele Gäste zur Schulung erschienen.

Frau Reinhold verwies darauf, dass Vollmachten entscheidend für Vorsorge (Krankheit/Alter) oder geschäftliche Stellvertretung sind. Wichtige Formen sind die Vorsorgevollmacht, Generalvollmacht und Bankvollmacht sowie Patientenverfügung und Testament.

Eine Bankvollmacht erlaubt Zugriff auf Konten und Depots.

Eine Vorsorgevollmacht ermöglicht einer Vertrauensperson, bei Geschäftsunfähigkeit (z. B. durch Demenz, Unfall) wichtige Entscheidungen (Finanzen, Gesundheit) zu treffen, um eine gesetzliche Betreuung zu vermeiden.

Eine Generalvollmacht umfasst alle Rechtsgeschäfte, die stellvertretend erledigt werden sollen.
Vielen war jedoch nicht bekannt, dass eine Schriftform grundsätzlich ausreichend ist, aber für bestimmte Handlungen (z. B. Immobilienverkauf) eine notarielle Beglaubigung oder Beurkundung nötig ist.

Für eine rechtssichere Formulierung empfiehlt sich die Vollmacht in notarieller Form. Auch ist die Anerkennung der Vollmacht im Rechtsverkehr gerade bei wichtigen Angelegenheiten bei einer notariellen Vollmacht deutlich höher, sodass sich die Kosten für die Errichtung einer notariellen Vollmacht durchaus bezahlt machen.

Eine gültige Vollmacht muss in jedem Fall Namen, Anschriften, Geburtsdaten von Vollmachtgeber und Bevollmächtigten sowie den genauen Umfang der Vollmacht enthalten.

Frau Reinhold appellierte an die Zuhörer, erstellen Sie Vollmachten, solange Sie voll geschäftsfähig sind. Wählen Sie jemanden, der Ihre Interessen vertritt. Beugen Sie Missbrauch durch klare Regelungen vor. Ein wichtiges Dokument für die Vorsorge im Krankheitsfall ist die Patientenverfügung.

Die Teilnehmer bedankten sich bei Frau Reinhold für die umfangreiche und hilfreiche Schulung mit einem Blumenstrauß und viel Beifall. Nach der Schulung stand die Notarin noch für persönliche Fragen zur Verfügung. Es war eine erfolgreiche Veranstaltung.

Wolfgang Batzke


 

Jod wichtiger denn je!

Die bisher geltenden Werte von 200 µg/Tag für Erwachsene unter 51 Jahren und 180 µg/Tag für Erwachsene ab 51 Jahren hatten einen Zuschlag berücksichtigt, um die unzureichende Jodversorgung der Bevölkerung in Deutschland und Österreich zu verbessern. Dies entspricht nicht mehr der wissenschaftlichen Vorgehensweise sowie der Zielsetzung der Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr, da sich diese nicht an Personen mit einem Nährstoffmangel richten.

Der Wert orientiert sich nun – wie bei Referenzwerten üblich – am durchschnittlichen Bedarf und nicht mehr am Ausgleich eines möglichen Defizits der Bevölkerung. Der neue Referenzwert für Säuglinge bis 4 Monate liegt bei 80 µg/Tag. Er hat sich verdoppelt, weil die Neubewertung zusätzlich auf aktuellen Bilanzstudien basiert und nicht, wie zuvor, nur auf dem Jodgehalt der Muttermilch.

Obwohl sich durch die Einführung von jodiertem Speisesalz und Anreicherung des Tierfutters die Jodzufuhr insgesamt verbessert hat und sichtbare Jodmangelerscheinungen wie der Kropf in Deutschland fast nicht mehr vorkommen, zeigen Daten des Robert Koch-Institutes (RKI) einen rückläufigen Trend in der Jodversorgung: So haben 44 % der Kinder und Jugendlichen und 32 % der Erwachsenen ein Risiko für eine zu geringe Jodzufuhr. Nach WHO-Kriterien herrscht in Deutschland ein milder Jodmangel. Eine längerfristige Unterversorgung mit Jod kann zu Funktionsstörungen der Schilddrüse mit weitgehenden gesundheitlichen Auswirkungen führen.

Die DGE empfiehlt für eine ausreichende Jodzufuhr eine konsequente Verwendung von jodiertem Speisesalz, täglich Milch und Milchprodukte sowie ein bis zwei Mal pro Woche Seefisch oder andere marine Lebensmittel zu essen. Schwangere und Stillende sollten zusätzlich zu einer ausgewogenen Ernährung mit jodiertem Speisesalz ein Supplement mit 100 µg (bis 150 µg) Jod pro Tag einnehmen; bei Schilddrüsenerkrankungen sollte vorab ärztliche Rücksprache erfolgen.

Wofür braucht der Körper Jod und was passiert, wenn wir zu wenig aufnehmen?

Jod ist ein unverzichtbares Spurenelement, das wir über die Nahrung aufnehmen müssen. Der Körper braucht es, um die Schilddrüsenhormone zu bilden. „Die Hormone beeinflussen zahlreiche Stoffwechselprozesse im Körper wie den Energiestoffwechsel, den Fett- und Kohlenhydratstoffwechsel, die Knochenbildung und die Regulation der Körpertemperatur. In der kindlichen Entwicklung sind sie besonders für ein normales Wachstum und die Gehirnentwicklung von Bedeutung“, sagt Prof. Dr. Roland Gärtner, 1. Vorsitzender des Arbeitskreises Jodmangel (AKJ). Um einem Mangel vorzubeugen, muss Jod regelmäßig mit der Nahrung aufgenommen werden. „Wird es in zu geringen Mengen aufgenommen, kann es je nach Schweregrad zu erheblichen gesundheitlichen Folgen kommen. Schon ein leichter bis milder Jodmangel, wie er hierzulande vorliegt, wirkt sich auf die Gesundheit einer Bevölkerung aus. Begonnen in der Schwangerschaft sowie im Säuglings- und Kleinkindalter mit einer beeinträchtigten körperlichen und neuronalen Entwicklung sowie einer verminderten geistigen Leistungsfähigkeit bis hin zu einem steigenden Risiko für Schilddrüsenvergrößerungen und -knoten sowie Funktionsstörungen bei Erwachsenen“, ergänzt Prof. Gärtner.

Wie kann eine ausreichende Jodversorgung erreicht werden?

„Eine ausreichende Jodzufuhr ist entscheidend für Gesundheit, Entwicklung und Leistungsfähigkeit. Besonders bei Kindern, Jugendlichen, Schwangeren und Stillenden sollten wir wieder mehr auf eine gute Jodversorgung achten“, sagt Dr. Christina Breidenassel, Referat Wissenschaft der DGE und Co-Autorin des Referenzwert-Kapitels zu Jod. Lebensmittel mit hohem Jodgehalt sind Seefische wie Kabeljau oder Seelachs und andere Meeresfrüchte wie Muscheln, Garnelen und Algen. Algen und -präparate, bei denen der Jodgehalt nicht ausgewiesen ist, sind aufgrund der stark schwankenden Gehalte nicht zu empfehlen. Dies ist insbesondere bei Vorliegen einer Funktionsstörung der Schilddrüse wichtig.

Tierische Lebensmittel wie Milch und Milchprodukte sowie Eier sind bei entsprechender Tierfütterung ebenfalls gute Jodlieferanten, besonders bei vegetarischer Ernährung. Pflanzliche Lebensmittel wie Getreide, Gemüse, Obst und Hülsenfrüchte sind in der Regel jodarm, weil die Böden hierzulande nur wenig Jod enthalten. Jodiertes Speisesalz und damit hergestellte Lebensmittel sind eine wichtige Jodquelle. Es konsequent zu verwenden, trägt maßgeblich zur Jodversorgung bei. Egal, ob es darum geht, Salz zu Hause in der eigenen Küche, beim Essen außer Haus zu verwenden oder verarbeitete Lebensmittel im Supermarkt, in der Bäckerei oder Metzgerei zu kaufen. Daher gilt: Wenn Salz, dann Jodsalz! Hierzu informiert die Informationsoffensive des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) wie die Jodversorgung einfach über die Verwendung von Jodsalz erreicht und gesichert werden kann.

Auch pflanzliche Milchalternativen wie Hafer-, Reis-, Mandel- und Sojadrinks enthalten praktisch kein Jod. Die DGE rät hier zu angereicherten Produkten, insbesondere bei veganer Ernährung. Ansonsten sollte eine Zufuhr aus anderen Lebensmitteln oder Nährstoffpräparaten erfolgen. So kann der regelmäßige Verzehr von Meeresalgen mit moderatem Jodgehalt, wie zum Beispiel Nori, zur Jodversorgung beitragen.

Besteht bei Jodsalz und anderen jodhaltigen Lebensmitteln das Risiko einer Überdosierung?

Das Risiko einer Überversorgung mit Jod über Lebensmittel ist gering. Der Jodgehalt in Salz ist in Deutschland streng geregelt und liegt bei 15 bis 25 mg Jod/kg Salz, somit enthält ein gehäufter Teelöffel Jodsalz nur circa 100 µg Jod. Auch für Menschen mit Schilddrüsenerkrankungen sind jodhaltige Lebensmittel wie Seefisch oder Milch und jodiertes Speisesalz unkritisch. Eine übermäßige Jodzufuhr kann nur durch den Verzehr von Algen mit einem hohen Jodgehalt ≥ 20 mg/kg oder hochdosierte Nahrungsergänzungsmittel entstehen.

Quelle: Quelle: Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V.(DGE)


 

Eagle eye – Heute: Geld-Geld-Geld

Wenn Sie schon so lange Mitglied im Diabetiker Bund sind, dass Sie ein paar Gesundheitsminister erlebt (oder überlebt?) haben, werden Sie sich erinnern, wie häufig die an der Versorgung der Diabetespatienten geschraubt haben, meist uns zum Nachteil. Nun herrschte einige Zeit Stille, das heißt ja aber oft, dass das dicke Ende noch kommt. Und siehe, die Finanzkommission Gesundheit hat ihren Bericht und ihre Empfehlungen vorgelegt. Wenn Sie sich dafür interessieren, finden Sie am Ende den Link dazu.

So viel lässt sich schon mal zusammenfassen: Es wird teurer!
Zum Beispiel sollen die Zuzahlungen auf Medikamente steigen bei 5,- Euro auf 7,50 Euro, bei jetzt 10,- Euro auf 15,- Euro. Beim Krankengeld sind die Überlegungen von jetzt 70% des Regelentgeldes auf 65% zu senken. Ich bin gespannt, was aus diesen Empfehlungen umgesetzt wird.

Wie gewohnt kämpfen wir im ersten Halbjahr um die Finanzen für den Verband. Zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses ist noch unklar, ob wir unsere Vorhaben in diesem Jahr umsetzen können, da die Förderbescheide noch nicht vorliegen, aber die Hoffnung stirbt ja zuletzt.

Über ein wunderbar positives Erlebnis können Sie unten auf dieser Seite lesen. Ende des letzten Jahres hat uns eine Spendenaktion über 2000 Euro in die Kasse gespült. Trotzdem müssen wir uns darüber im Klaren sein, dass sinkende Mitgliederzahlen die Arbeit erschweren. Ich habe ja schon im letzten Heft berichtet, dass wir die Diskussion zum Zusammenschluss der Landesverbände auch innerhalb des Bundesverbandes angestoßen haben. Vielleicht ist das für Sie ein Thema, welches sich innerhalb der Selbsthilfegruppe besprechen lässt. Der Landesvorstand würde dazu gerne eine Rückmeldung aufnehmen.

Wir werden das Thema Zusammenschluss, z.B. mit dem Landesverband Sachsen-Anhalt, spätestens im nächsten Jahr zur Mitgliederversammlung wieder auf die Tagesordnung setzen und mit den Teilnehmern beraten. Vielleicht lässt sich dort dann auch schon ein Auftrag an den Vorstand formulieren, die Dinge entsprechend der Beschlusslage voranzutreiben.
Für das aktuelle Jahr steht jetzt erst einmal die Organisation der geplanten Projekte auf dem Programm, darunter auch wieder ein Austausch mit den Landesverbänden Ost, immer vorausgesetzt, dass die entsprechenden Fördermittel bewilligt werden.

Ich werde ein (Adler-)Auge darauf halten und berichten, kommen Sie gut durch den Sommer,

Ihr Matthias Böhmer

www.bundesgesundheitsministerium.de/finanzkommission-gesundheit


 

www.bundesgesundheitsministerium.de/finanzkommission-gesundheit

DDG-Positionspapier Diabetes mellitus und Arbeit

Diabetes mellitus ist eine der häufigsten chronischen Stoffwechselerkrankungen weltweit. Von fast 10 Millionen Menschen mit Diabetes in Deutschland sind mehrere Millionen im erwerbsfähigen Alter, Tendenz steigend. Mindestens 9,1 Millionen Menschen haben einen diagnostizierten Typ-2-Diabetes und 340 000 Erwachsene sowie 37 000 Kinder/Jugendliche einen Typ-1-Diabetes. Letzterer ist zwingend mit Insulin zu behandeln. Bezüglich beruflicher Eignung von Menschen mit Diabetes existieren trotz enormer Fortschritte der Diabetologie Fehleinschätzungen, die zu Diskriminierung führen können.
Dies schafft Probleme sowohl bei der Berufswahl als auch bei der (weiteren) Berufsausübung nach Diabetesdiagnose. Auch wenn im Verlauf der Erkrankung eine Insulintherapie notwendig wird, kann dies die berufliche Integration beeinflussen.
Das DDG-Positionspapier richtet sich an alle in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft mit der dringenden Bitte, sämtliche Einstellungsvoraussetzungen für jegliche Berufsgruppen bzgl. pauschaler Einsatzverbote für Menschen mit Diabetes zu überprüfen und auf den aktuellen Stand der Medizin zu aktualisieren.
Ziel der Deutschen Diabetes Gesellschaft ist es, zu zeigen: Diabetes ist in den allermeisten Fällen kein Hindernis für eine sichere und verantwortungsvolle Berufsausübung. Die Daten sind klar, die Technik ist etabliert, und die rechtlichen Grundlagen verlangen längst eine individuelle Bewertung statt pauschaler Verbote. Es ist Zeit, dass unsere Arbeitswelt diesem Wissen folgt – für echte Gleichberechtigung, moderne Prävention und eine Arbeitswelt, die Chancen schafft und nutzt, statt überholte Grenzen fortzuschreiben.

Wo gibt es berufliche Diskriminierung von Menschen mit Diabetes?

Im internationalen Vergleich ist Deutschland – trotz moderner Diabetologie sowie kompetenter Fachgesellschaft DDG – kein Vorreiter beruflicher Inklusion von Menschen mit Diabetes. Berufliche Diskriminierungen oder pauschale Ausschlüsse aufgrund des Diabetes oder seiner Therapie bestehen unverändert fort trotz medizinischer Fortschritte, wie folgende Auflistung zeigt:
  • Piloten: Trotz gleichlautender internationaler Kriterien werden in Deutschland die Vorschriften bei Vorliegen eines Diabetes deutlich rigider ausgelegt als im internationalen Vergleich. So dürfen z. B. in den USA, dem Vereinigten Königreich, in Kanada und Österreich Menschen mit insulinpflichtigem Diabetes, wenn sie die Voraussetzungen erfüllen, als Piloten sowohl Fracht-, als auch Passagiermaschinen fliegen – nicht aber in Deutschland
  • Bundeswehr: Gemäß der Vorgaben der wehrmedizinischen Begutachtung werden Menschen mit Diabetes mellitus Typ 1 pauschal als untauglich erachtet („Ausmusterung“).
  • Polizei: Polizeidienstverordnung PDO 300 schließt Menschen mit Diabetes mellitusTyp 1 vom Polizeidienst aus. Die Polizei liegt in Länderhoheit. Das Vorgehen unterscheidet sich zwischen den Bundesländern und auch der Bundespolizei.
  • Seediensttauglichkeit: Diese wird in Deutschland im Vgl. zu skandinavischen Ländern gegenüber Menschen mit insulinpflichtigem Diabetes mellitus trotz gleich lautender internationaler Regelungen deutlich restriktiver gehandhabt.
  • Zoll: Geschäftsordnung der Generalzolldirektion – GO-GZD: dort gibt es – auch waffentragende – Personen mit Diabetes mellitus Typ 1.

Gleichberechtigte Teilhabe

Die Mehrzahl der Menschen mit Diabetes ist in allen Berufen und Arbeitsfeldern einsetzbar. Individuell können Einschränkungen bestehen. Pauschale Ausbildungs- oder Berufsverbote/-beschränkungen aufgrund der Diagnose stehen im Widerspruch zu Art. 3 Grundgesetz sowie dem Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG).

Rechtlicher Rahmen

Die arbeitsmedizinischen Fähigkeits- oder Eignungsbeurteilungen haben ebenso wie arbeitsmedizinische Stellungnahmen laut ArbSchG individuell und arbeitsplatzbezogen zu erfolgen.
Auch Gefährdungsbeurteilungen erfolgen in Bezug auf den Arbeitsplatz. Beschäftigte mit Diabetes werden aufgrund gesetzlicher Vorschriften für gefährliche Tätigkeiten bezüglich ihrer Stoffwechseleinstellung sowie ihres individuellen Hypoglykämierisikos arbeitsmedizinisch eingeschätzt. Wenn diabetologische Fragen im Rahmen einer arbeitsmedizinischen Untersuchung relevant sind, ist zu empfehlen, den behandelnden Diabetologen einzubeziehen.
Im Rahmen arbeitsmedizinischer Vorsorge kann gemäß ArbMedVV eine individuelle ärztliche Einschätzung erfolgen, ohne dass die Diagnose dem Arbeitgeber zwingend mitgeteilt wird.
Der Schutz der informationellen Selbstbestimmung ist zu wahren. Ein Offenlegen der Diagnose Diabetes gegenüber dem Arbeitgeber ist nur erforderlich, wenn konkrete Sicherheitsrisiken für die betroffene Person oder Dritte entstehen könnten.

Sicherheit am Arbeitsplatz

Millionen Menschen mit Diabetes sind in Deutschland erwerbstätig. Bei den meisten fällt die Stoffwechselstörung im Berufsalltag nicht auf. Das gilt insbesondere für ihre Leistungsfähigkeit, Belastbarkeit, Einsetzbarkeit, Flexibilität und Fehltage. Im Umgang mit ihrer Erkrankung erfahrene, gut geschulte sowie gut behandelte Menschen mit Diabetes können fast alle beruflichen Tätigkeiten sicher und verlässlich ausführen. Fortschritte der Diabetologie sorgen für eine deutliche Minimierung des Risikos für schwere Unterzuckerungen. Dadurch ermöglichen sie auch die Ausübung risikobehafteter Berufe, die lange als nicht geeignet galten. Kommt es aufgrund Diabetes oder seiner Therapie zu pauschalen Ausschlüssen für bestimmte Tätigkeiten, kann dies zum Verschweigen der Krankheit führen. Daraus können Gefährdungen resultieren, sowohl für die Betroffenen, als auch für Dritte. Notwendig ist ein offener Umgang mit dieser verbreiteten Stoffwechselstörung am Arbeitsplatz.

Förderung und nachhaltiger Erhalt der Arbeitsfähigkeit

Betriebliche Rahmenbedingungen bilden die Grundlage für ein gelingendes Selbstmanagement und den Erhalt der Arbeitsfähigkeit. Dazu gehören:
  • Bereitschaft zu Schicht- und Dienstverlegungen zur Gewährleistung von sicherem Arbeiten (Verständnis für wichtige Arzttermine und ggf. (Auffrischungs-)Schulungen).
  • Arbeitnehmer und Arbeitgeber profitieren von betrieblichen Rahmenbedingungen, die sicheres und gesundes Arbeiten mit Diabetes ermöglichen.
  • Maßnahmen betrieblicher Gesundheitsförderung zur Prävention von Adipositas, Bewegungsmangel und Früherkennung des Typ 2 Diabetes mellitus.
  • Unterstützung, wenn bestimmte Tätigkeiten vorübergehend/dauerhaft nicht ausgeübt werden können

Verantwortung der Betroffenen

Menschen mit Diabetes tragen selbst Verantwortung für ein gutes Diabetesmanagement, eine adäquate Stoffwechselführung, regelmäßige medizinische Kontrollen und Anpassung der Therapie an die Arbeitsbedingungen. Dazu gehört eine Schulung, welche die beruflichen Anforderungen einbezieht, um Unter- und Überzuckerungen zu vermeiden.

Zusammenfassung

Gut geschulte und im Umgang mit ihrer Stoffwechselstörung Diabetes mellitus vertraute und verantwortungsbewusste Menschen sind für eine Ausbildung sowie aktive und produktive Berufstätigkeit in fast allen Tätigkeitsbereichen sicher einsetzbar.
Eine erfolgreiche Integration am Arbeitsplatz erfordert eine konsequente, enge Kooperation zwischen allen Beteiligten: betroffenen ArbeitnehmerInnen, ArbeitgeberInnen, behandelnden ÄrztInnen/DiabetologInnen und unterstützendem medizinischem Fachpersonal.
Ziel ist, sowohl die Sicherheit in den Arbeitsprozessen zu gewährleisten, als auch die Leistungsfähigkeit, Teilhabe und Lebensqualität der Beschäftigten mit Diabetes zu sichern und so die Soziallasten der Gesellschaft zu reduzieren, ggflls. den Arbeitskräftemangel zu verringern.
Quelle:
Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG)
Ausschuß Soziales
Düsseldorf, 30. Januar 2026


Onkologische Ernährung: Keine Empfehlungen für Krebsdiäten

Die im Leitlinienprogramm Onkologie aktualisierte S3-Leitlinie „Klinische Ernährung in der Onkologie“ spricht sich gegen restriktive Diäten bei Krebs aus. Sogenannte Krebsdiäten und Fastenprogramme sind nicht geeignet, betonen die an der Leitlinie beteiligten Fachgesellschaften. Studien zeigen keinen Nutzen, aber ein hohes Risiko für Mangelernährung – was bei Krebspatient*innen zum Tod führen kann.

Durch eine Krebserkrankung oder -therapie verlieren viele Menschen Gewicht. Dann ist es besonders wichtig, einer Mangelernährung vorzubeugen. Denn der Ernährungszustand hat einen Einfluss auf den Erkrankungsverlauf und auf die Therapie: „Wird nicht rechtzeitig gegengesteuert, drohen Komplikationen, Therapieversagen und im schlimmsten Fall der Tod durch Mangelernährung“, sagt Professorin Jutta Hübner vom Universitätsklinikum Jena. Gemeinsam mit Dr. Jann Arends, Universitätsklinikum Freiburg, und Professorin Diana Rubin, Vivantes Humboldt-Klinikum Berlin, koordinierte sie die Aktualisierung der Leitlinie.

Krebsdiäten und Fasten sind gefährlich

Krebsbetroffene bekommen von Laien viele Ratschläge zu ihrer Ernährung. Mit elf Empfehlungen ordnet die Leitlinie besondere Ernährungsformen wie vegane, ketogene Ernährung oder die sogenannte Krebsdiät nach Breuß nun kritisch ein.

„Für vegetarische oder vegane Ernährung fehlt noch die Evidenz, um eine Empfehlung dafür oder dagegen auszusprechen. Bis verlässliche Studien vorliegen, ist für onkologische Patient*innen eine sorgfältige Planung zwingend erforderlich, um Mangelernährung zu vermeiden“, so Hübner. „Was sogenannte ‚Krebsdiäten‘ angeht: In der Leitlinie wird von strikten Diätvorschriften abgeraten. Sie schränken die Ernährung ein und bergen damit das Risiko von Mangelernährung und Gewichtsverlust. Dazu zählen Fasten, ketogene Diäten sowie die Diäten nach Budwig und Breuß.“
Bislang belegten Studien für diese Ernährungsformen keinen positiven Nutzen – durch die Nahrungsrestriktionen kann es vielmehr zu Mangelernährung kommen.

Neu: Ernährungstherapie bei operativer Tumortherapie

Im Zuge der Überarbeitung wurde ein neues Kapitel zur Ernährung bei operativer Tumortherapie aufgenommen. Die zwölf neuen Empfehlungen sehen unter anderem vor, dass der Ernährungsstatus vor und nach größeren onkochirurgischen Eingriffen mehrfach erhoben wird. Patient*innen, die voraussichtlich über mehrere Tage nach der Operation keine feste Nahrung zu sich nehmen können, sollen umgehend künstlich ernährt werden. Für die präoperative Phase empfiehlt die Leitlinie unter anderem, dass Patient*innen mit hohem Risiko – etwa bei starkem Gewichtsverlust innerhalb kurzer Zeit – zunächst eine Ernährungstherapie erhalten sollten, auch wenn sich dadurch der Operationstermin verschiebt.

Empathische Kommunikation: Ernährung in der Palliativsituation

In der Palliativversorgung soll die Lebensqualität von Patient*innen mit nicht-heilbaren Krebserkrankungen verbessert oder erhalten werden – eine differenzierte Ernährungstherapie kann hierzu beitragen. Neu ist die Empfehlung, wiederholt zu prüfen, ob eine enterale oder parenterale Ernährung noch dem Therapieziel entspricht. Diese Entscheidung soll regelmäßig gemeinsam mit den Betroffenen und Betreuenden evaluiert und bei Bedarf neu getroffen werden.

„Entscheidet sich eine an Krebs erkrankte Person, die Ernährung einzustellen, kann das zu Konflikten mit den Angehörigen führen. Es ist eine schwierige Situation“, so Hübner. „Um diese psychischen und physischen Belastungen durch die unterschiedlichen Wünsche zu vermeiden, empfehlen wir in der Leitlinie, dass das zuständige Fachpersonal proaktiv, klar und empathisch mit den Beteiligten kommuniziert.“
In den Phasen der Palliativversorgung sollten bei Ernährungsstörungen stets qualifizierte Ernährungsfachkräfte hinzugezogen werden, so die Empfehlung aus der Leitlinie.

Informationsmaterial:

www.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/klinische-ernaehrung-in-der-onkologie

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin e. V. (DGEM)


 

Wie wirken stark verarbeitete Lebensmittel auf die Gesundheit?

Erwachsene, die viele stark verarbeitete Lebensmittel (ultra-processed foods UPF) konsumieren, haben wahrscheinlich ein höheres Risiko für Übergewicht, Adipositas, Bluthochdruck, Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Für das Metabolische Syndrom und Allergien gibt es nicht genügend Daten, um Aussagen zum Zusammenhang mit dem UPF-Verzehr machen zu können; für Übergewicht/Adipositas bei Kindern und Jugendlichen sind die Ergebnisse in den eingeschlossenen Studien zu 15. DGE-Ernährungsbericht (Erscheinung Ende 2024) heterogen.

Etwa 50 % der Energieaufnahme stammen aus stark verarbeiteten Lebensmitteln (UPF)

Süßigkeiten, Gebäck, frittierte Snacks, Würstchen, Fleischersatzprodukte, Brotaufstriche und Fertiggerichte sind Beispiele für häufig stark verarbeitete Lebensmittel. Sie verdrängen zunehmend natürliche Lebensmittel und frisch zubereitete Speisen. Eine Ernährung mit einem hohen Anteil an stark verarbeiteten Lebensmitteln enthält meist viel Zucker, Salz und Fett, insbesondere gesättigte Fettsäuren, und gleichzeitig wenig Ballaststoffe, Proteine und Mikronährstoffe wie Vitamine und Mineralstoffe sowie sekundäre Pflanzenstoffe. In Deutschland stammten laut Berechnungen der Nationalen Verzehrsstudie II (NVS II) bereits Anfang der 2000er-Jahre etwa 50 % der gesamten Energieaufnahme von Erwachsenen aus stark verarbeiteten Lebensmitteln. Ihr Konsum wird mit Adipositas und chronischen Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes sowie einer erhöhten Sterblichkeitsrate in Verbindung gebracht. Der beobachtete Zusammenhang basiert bislang weitestgehend auf Querschnitt- und Kohortenstudien, die die zugrundeliegenden Wirkmechanismen wenig untersucht haben.

Grundsätzlich werden Lebensmittel und Getränke, deren Rohstoffe viele Verarbeitungsprozesse durchlaufen haben, als stark verarbeitete Lebensmittel bezeichnet. Je nach Rezeptur enthalten sie weitere, insbesondere energiereiche Zutaten wie gesättigte Fettsäuren und Zucker sowie Zusatzstoffe wie Aromen, Konservierungsmittel und Farbstoffe. Der Anteil an essenziellen Inhaltsstoffen wie Vitaminen, Mineralstoffen, Ballaststoffen und sekundären Pflanzenstoffen ist dagegen oft gering.

Ein typisches Beispiel für hochverarbeitete Lebensmittel sind pflanzliche Milchalternativen aus Soja, Hafer, Mandel, Reis oder Erbsen, die zunehmend Kuhmilch ersetzen. Dr. Britta Nagl, Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), Berlin, weist in ihrer Risikobewertung von Pflanzendrinks darauf hin, dass diese sich in ihrem Nährstoffprofil erheblich von Kuhmilch unterscheiden, insbesondere, wenn sie nicht mit Nährstoffen angereichert sind. Zu den langfristigen Auswirkungen eines häufigeren Konsums als Ersatz für Kuhmilch und den Langzeitkonsum auf die Gesundheit liegen bisher nur wenige Daten vor. Besonders für vulnerable Gruppen wie Kinder, Schwangere und Stillende können Nährstoffdefizite entstehen, wenn nicht angereicherte Produkte regelmäßig anstelle von Kuhmilch konsumiert werden. Nagl thematisiert auch mögliche Belastungen durch Schwermetalle und Mykotoxine.

Die französische Kohortenstudie NutriNet-Santé mit über 180 000 Teilnehmenden war eine der ersten internationalen Langzeitstudien, die die Zusammenhänge zwischen UPF und chronischen Erkrankungen nachwies und dadurch Ernährungsrichtlinien in mehreren Ländern beeinflusste. Aktuell rücken insbesondere Zusatzstoffe in den Blick: Das Forschungsprogramm ADDITIVES untersucht die Wirkung von Nitriten, künstlichen Süßstoffen, Emulgatoren und weiteren Stoffen, die in UPF weit verbreitet sind. Erste Ergebnisse belegen ein höheres Risiko für verschiedene Krebsarten, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Bluthochdruck. Auch die mögliche Rolle von Verpackungskontaminanten wird erforscht.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V.(DGE)


 

Vorwort Rosmarie Wallig

Liebe Mitglieder des Landesverbandes,

Das neue Jahr ist schon ganz schön fortgeschritten und wir haben bereits Frühling. Nun ist es ist Zeit für unser Mitteilungsblatt.

Im letzten Jahr wurde ein neuer Bundesvorstand gewählt, der aber bis heute noch nicht vollständig ist. Wenn Sie Interesse haben, sich im Bundesvorstand zu engagieren, melden Sie sich gerne in der Landesgeschäftsstelle.

Im März fand eine Online-Delegiertenversammlung statt. Da ich zu der Zeit an „Diabetes in Sachsen“ teilgenommen habe, hat mich Herr Böhmer vertreten. In der Geschäftsstelle des Bundesverbandes ist jetzt an drei Tagen die Woche eine Mitarbeiterin beschäftigt.
Wie geht es bei uns weiter: Das Infoblatt erscheint weiterhin monatlich und wird von Abbot unterstützt. Unser Mitteilungsblatt erscheint weiterhin zweimal im Jahr, vorausgesetzt, die beantragte Förderung wird bewilligt.

Wir wollen einen Patiententag am 05. September 2026 in Plauen durchführen. Es ist geplant, die SHG-Leiter und Mitglieder einzuladen. Weitere Informationen erhalten Sie, wenn das Programm feststeht.

Die individuelle Unterstützung der Mitglieder und Selbsthilfegruppen wird weiterhin über die Landesgeschäftsstelle organisiert und abgesichert.

Ein Treffen mit den Ostländern soll eventuell stattfinden. Das hängt natürlich auch von der Finanzierung ab. Da wir uns auf dieser Ebene über einen Zusammenschluss der schrumpfenden Landesverbände beraten, werden wir die Umsetzung des Vorhabens priorisieren.

Leider fehlen bisher noch die Zusagen zur Förderung der beantragten Projekte, so dass, wie immer zu diesem Zeitpunkt, alles offen ist.

Bleiben Sie so gesund wie möglich und genießen Sie Frühling und Sommer. Bleiben Sie als Mitglied interessiert an Neuigkeiten, die den Diabetes betreffen.

Viele Grüße Rosmarie Wallig
Landesvorsitzende


 

Krankheitserreger nutzen auch hormonelle Signalwege im Körper

Infektionen und Stoffwechselkrankheiten können sich gegenseitig begünstigen

Die Corona-Pandemie hat gezeigt, dass schädliche Wechselbeziehungen zwischen Virus-Infektionen und Erkrankungen des Stoffwechsels bestehen können.

Bestimmte Viren tragen dazu bei, hormonelle Erkrankungen des Stoffwechsels, etwa Diabetes mellitus Typ 1 und Typ 2 oder Adipositas, auszulösen. Umgekehrt ist es möglich, dass eine bereits bestehende Störung des Stoffwechsels den Verlauf eines Infekts ungünstig beeinflusst.

Offensichtlich nutzen die Krankheitserreger auch Signalwege von Hormonen im Körper, etwa jene zur Regulation des Zucker- und Fettstoffwechsels. Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie e. V. (DGE) spricht sich deshalb für eine weitere Erforschung der Wechselwirkungen zwischen Hormonsystemen und infektiösen Erregern aus. Idealerweise soll dies dazu beitragen, häufige, hormonell bedingte Stoffwechselkrankheiten zu verhindern, etwa durch gezielte Impfprogramme. Gleichzeitig könne möglicherweise der Verlauf von Infekten bei bereits Stoffwechsel-Erkrankten durch eine antivirale oder hormonelle Therapie abgemildert werden.

SARS-CoV-2, Enteroviren wie Coxsackie, Influenza-, Herpes-, Epstein-Barr- oder das HI-Virus stehen in Zusammenhang mit neu auftretenden chronischen Erkrankungen des Stoffwechsels nach der eigentlichen Infektion. So zeigen Daten aus der Corona-Pandemie, dass sich etwa durch eine COVID-Erkrankung die Wahrscheinlichkeit des Auftretens eines Diabetes mellitus Typ 1 deutlich erhöht. Aber auch andere hormonell aktive Gewebe wie die Nebennieren oder der Hypothalamus können in ihrer Funktion durch den Kontakt mit bestimmten Viren gestört werden.

Umgekehrt deuten zahlreiche epidemiologische Daten auf einen robusten Zusammenhang mit bereits bestehenden Stoffwechselerkrankungen mit der Schwere des Verlaufs hin, wenn bestimmte Viren beteiligt sind.
„Aus neuesten Untersuchungen wissen wir, dass manche Viren insulinähnliche Eiweiße oder auch Hormone produzieren können, die in den Stoffwechsel des betroffenen Organismus eingreifen“, sagt Professor Dr. med. Stefan Bornstein, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik III sowie des Zentrums für Innere Medizin am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden. Neben der Stoffwechselregulation scheinen diese „viralen Hormone“ auch den Zellumsatz und den Zelltod zu beeinflussen. „Wir haben aber auch gesehen, dass antivirale Medikamente das Auftreten eines Diabetes mellitus Typ 1 durch den Erhalt der Funktion der insulinproduzierenden Betazellen in der Bauchspeicheldrüse verzögern können“, fügt er hinzu. Umgekehrt habe sich gezeigt, dass klassische Medikamente, die zur Behandlung hormoneller Erkrankungen eingesetzt werden, die Anfälligkeit des Organismus für Infektionen verringern können – etwa antidiabetische Präparate wie DPP-4- Hemmer oder Metformin, so der Endokrinologe und Diabetologe.

„Man kann mittlerweile von einer endokrinen Virologie und sogar von dem Virom als einer zusätzlichen, hormonell stoffwechselaktiven Drüse sprechen“, so Bornstein, der 2024 die Berthold-Medaille der DGE erhielt. Doch viele Fragen sind noch offen: „Wir brauchen deshalb ein besseres Verständnis der Wechselwirkung der Hormonsysteme mit infektiösen Erregern – von den Grundlagen bis zur therapeutischen Anwendung“, sagt er.

So gehe es etwa darum, die Erkenntnisse für moderne therapeutische Ansätze zu nutzen: „Wenn Infektionskrankheiten Diabetes und andere Stoffwechselkrankheiten auslösen können, bedeutet es, dass wir durch Impfprogramme möglicherweise das Auftreten von häufigen Stoffwechselkrankheiten wie Diabetes und dem metabolischen Syndrom verhindern können“, zeigt er Perspektiven eines neuen Forschungsgebiets auf.

Professor Dr. med. Stephan Petersenn, Mediensprecher der DGE aus Hamburg, sieht in diesen Forschungsarbeiten einen Beleg für die enge Verzahnung der verschiedenen internistischen Fachgebiete.

„Trotz der zunehmenden Spezialisierung und Wissensverdichtung auch in der Endokrinologie wird in diesen Arbeiten die Notwendigkeit deutlich, über den Tellerrand zu schauen und den Organismus nicht nur durch die Brille der eigenen Expertise zu betrachten. Die Interaktion der menschlichen Organe untereinander und mit der Umwelt muss wieder mehr, im Sinne einer ganzheitlichen Betrachtung des Menschen, in den Vordergrund rücken.“

Quelle: Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie e.V. (DGE)


 

Die neue Versorgungsmedizin-Verordnung bringt mehr Klarheit!

Was wurde im Herbst 2025 geändert?

Die Versorgungsmedizin‑Verordnung regelt verbindlich die medizinischen Grundsätze und Kriterien zur Feststellung des Grades der Behinderung (GdB) und des Grades der Schädigungsfolgen (GdS) in Deutschland. Im Herbst 2025 wurden einzelne Bereiche umfassend überarbeitet.

Neues Leitbild: Teilhabe im Mittelpunkt

Die Verordnung orientiert sich nun ausdrücklich an der UN‑Behindertenrechtskonvention und an § 2 SGB IX. Behinderung wird nicht mehr primär als medizinisches Problem verstanden, sondern als Ergebnis der Wechselwirkung zwischen langfristigen Beeinträchtigungen körperlicher, seelischer oder geistiger Art und Barrieren, die eine volle, wirksame und gleichberechtigte Teilhabe an der Gesellschaft verhindern.

GdB und GdS

Der GdB wird in den neu gefassten Abschnitten einheitlich als Maß für Teilhabebeeinträchtigungen verwendet. Der GdS bleibt in noch nicht überarbeiteten Teilen bestehen. Beide Größen werden nach denselben Grundsätzen bemessen.

Psychische Störungen und Schmerz: Abgrenzung

Zentrale Frage ist, wann psychische Begleiterscheinungen oder Schmerzsyndrome bereits im GdB der körperlichen Erkrankung enthalten sind und wann sie als eigenständige Komorbidität zusätzlich zu bewerten sind. Die überarbeitete Verordnung stellt klar: Die in Teil B genannten GdB‑Werte für körperliche Störungen sind pauschalisiert und umfassen typischerweise damit verbundene Beschwerden.

Konkrete Regeln

Psychische Begleiterscheinungen wie vorübergehende Traurigkeit oder leichte Ängste, die als Reaktion auf die körperliche Erkrankung auftreten, gelten als im GdB der Grunderkrankung enthalten.
Übliche Schmerzen, die direkte Symptome der Gewebeschädigung oder Erkrankung sind, sind ebenfalls im GdB der Grunderkrankung berücksichtigt, auch wenn diese Zustände erfahrungsgemäß besonders schmerzhaft sind.

Wann liegt eine Begleiterkrankung vor

Eine zusätzliche Bewertung erfolgt nur, wenn zwei Bedingungen gleichzeitig erfüllt sind: Erstens sind die psychischen Beschwerden oder Schmerzen erheblich stärker als aufgrund der körperlichen Veränderung zu erwarten. Zweitens erfüllen sie die Kriterien einer eigenständigen ICD‑Diagnose. Beispiele sind Anpassungsstörung oder depressive Episode bei psychischen Störungen und die chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren bei Schmerzdiagnosen. Solche separat festgestellten Komorbiditäten werden bei der Bildung des Gesamt‑GdB nach Nummer 3.3 der Verordnung berücksichtigt.

Beispiel und Gutachtervorgehen

Bei einer schweren Kniearthrose mit GdB 30 sind die typischen Schmerzen und die übliche Niedergeschlagenheit bereits enthalten. Entwickelt sich jedoch infolge der Schmerzen eine diagnostizierte Depression, die erheblich über das Erwartbare hinausgeht, ist dies eine Komorbidität. Der Gutachter muss dann den GdB für die Arthrose und den GdB für die Depression getrennt ermitteln und aus beiden Werten den Gesamt‑GdB nach den Regeln der Verordnung bilden.
Wichtig
Wenn Schmerz das Leitsymptom einer psychischen Störung ist, ist dieser Schmerz im GdB der psychischen Störung enthalten und wird nicht zusätzlich bewertet.
Christoph Meyer