DDG-Positionspapier Diabetes mellitus und Arbeit

Diabetes mellitus ist eine der häufigsten chronischen Stoffwechselerkrankungen weltweit. Von fast 10 Millionen Menschen mit Diabetes in Deutschland sind mehrere Millionen im erwerbsfähigen Alter, Tendenz steigend. Mindestens 9,1 Millionen Menschen haben einen diagnostizierten Typ-2-Diabetes und 340 000 Erwachsene sowie 37 000 Kinder/Jugendliche einen Typ-1-Diabetes. Letzterer ist zwingend mit Insulin zu behandeln. Bezüglich beruflicher Eignung von Menschen mit Diabetes existieren trotz enormer Fortschritte der Diabetologie Fehleinschätzungen, die zu Diskriminierung führen können.
Dies schafft Probleme sowohl bei der Berufswahl als auch bei der (weiteren) Berufsausübung nach Diabetesdiagnose. Auch wenn im Verlauf der Erkrankung eine Insulintherapie notwendig wird, kann dies die berufliche Integration beeinflussen.
Das DDG-Positionspapier richtet sich an alle in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft mit der dringenden Bitte, sämtliche Einstellungsvoraussetzungen für jegliche Berufsgruppen bzgl. pauschaler Einsatzverbote für Menschen mit Diabetes zu überprüfen und auf den aktuellen Stand der Medizin zu aktualisieren.
Ziel der Deutschen Diabetes Gesellschaft ist es, zu zeigen: Diabetes ist in den allermeisten Fällen kein Hindernis für eine sichere und verantwortungsvolle Berufsausübung. Die Daten sind klar, die Technik ist etabliert, und die rechtlichen Grundlagen verlangen längst eine individuelle Bewertung statt pauschaler Verbote. Es ist Zeit, dass unsere Arbeitswelt diesem Wissen folgt – für echte Gleichberechtigung, moderne Prävention und eine Arbeitswelt, die Chancen schafft und nutzt, statt überholte Grenzen fortzuschreiben.

Wo gibt es berufliche Diskriminierung von Menschen mit Diabetes?

Im internationalen Vergleich ist Deutschland – trotz moderner Diabetologie sowie kompetenter Fachgesellschaft DDG – kein Vorreiter beruflicher Inklusion von Menschen mit Diabetes. Berufliche Diskriminierungen oder pauschale Ausschlüsse aufgrund des Diabetes oder seiner Therapie bestehen unverändert fort trotz medizinischer Fortschritte, wie folgende Auflistung zeigt:
  • Piloten: Trotz gleichlautender internationaler Kriterien werden in Deutschland die Vorschriften bei Vorliegen eines Diabetes deutlich rigider ausgelegt als im internationalen Vergleich. So dürfen z. B. in den USA, dem Vereinigten Königreich, in Kanada und Österreich Menschen mit insulinpflichtigem Diabetes, wenn sie die Voraussetzungen erfüllen, als Piloten sowohl Fracht-, als auch Passagiermaschinen fliegen – nicht aber in Deutschland
  • Bundeswehr: Gemäß der Vorgaben der wehrmedizinischen Begutachtung werden Menschen mit Diabetes mellitus Typ 1 pauschal als untauglich erachtet („Ausmusterung“).
  • Polizei: Polizeidienstverordnung PDO 300 schließt Menschen mit Diabetes mellitusTyp 1 vom Polizeidienst aus. Die Polizei liegt in Länderhoheit. Das Vorgehen unterscheidet sich zwischen den Bundesländern und auch der Bundespolizei.
  • Seediensttauglichkeit: Diese wird in Deutschland im Vgl. zu skandinavischen Ländern gegenüber Menschen mit insulinpflichtigem Diabetes mellitus trotz gleich lautender internationaler Regelungen deutlich restriktiver gehandhabt.
  • Zoll: Geschäftsordnung der Generalzolldirektion – GO-GZD: dort gibt es – auch waffentragende – Personen mit Diabetes mellitus Typ 1.

Gleichberechtigte Teilhabe

Die Mehrzahl der Menschen mit Diabetes ist in allen Berufen und Arbeitsfeldern einsetzbar. Individuell können Einschränkungen bestehen. Pauschale Ausbildungs- oder Berufsverbote/-beschränkungen aufgrund der Diagnose stehen im Widerspruch zu Art. 3 Grundgesetz sowie dem Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG).

Rechtlicher Rahmen

Die arbeitsmedizinischen Fähigkeits- oder Eignungsbeurteilungen haben ebenso wie arbeitsmedizinische Stellungnahmen laut ArbSchG individuell und arbeitsplatzbezogen zu erfolgen.
Auch Gefährdungsbeurteilungen erfolgen in Bezug auf den Arbeitsplatz. Beschäftigte mit Diabetes werden aufgrund gesetzlicher Vorschriften für gefährliche Tätigkeiten bezüglich ihrer Stoffwechseleinstellung sowie ihres individuellen Hypoglykämierisikos arbeitsmedizinisch eingeschätzt. Wenn diabetologische Fragen im Rahmen einer arbeitsmedizinischen Untersuchung relevant sind, ist zu empfehlen, den behandelnden Diabetologen einzubeziehen.
Im Rahmen arbeitsmedizinischer Vorsorge kann gemäß ArbMedVV eine individuelle ärztliche Einschätzung erfolgen, ohne dass die Diagnose dem Arbeitgeber zwingend mitgeteilt wird.
Der Schutz der informationellen Selbstbestimmung ist zu wahren. Ein Offenlegen der Diagnose Diabetes gegenüber dem Arbeitgeber ist nur erforderlich, wenn konkrete Sicherheitsrisiken für die betroffene Person oder Dritte entstehen könnten.

Sicherheit am Arbeitsplatz

Millionen Menschen mit Diabetes sind in Deutschland erwerbstätig. Bei den meisten fällt die Stoffwechselstörung im Berufsalltag nicht auf. Das gilt insbesondere für ihre Leistungsfähigkeit, Belastbarkeit, Einsetzbarkeit, Flexibilität und Fehltage. Im Umgang mit ihrer Erkrankung erfahrene, gut geschulte sowie gut behandelte Menschen mit Diabetes können fast alle beruflichen Tätigkeiten sicher und verlässlich ausführen. Fortschritte der Diabetologie sorgen für eine deutliche Minimierung des Risikos für schwere Unterzuckerungen. Dadurch ermöglichen sie auch die Ausübung risikobehafteter Berufe, die lange als nicht geeignet galten. Kommt es aufgrund Diabetes oder seiner Therapie zu pauschalen Ausschlüssen für bestimmte Tätigkeiten, kann dies zum Verschweigen der Krankheit führen. Daraus können Gefährdungen resultieren, sowohl für die Betroffenen, als auch für Dritte. Notwendig ist ein offener Umgang mit dieser verbreiteten Stoffwechselstörung am Arbeitsplatz.

Förderung und nachhaltiger Erhalt der Arbeitsfähigkeit

Betriebliche Rahmenbedingungen bilden die Grundlage für ein gelingendes Selbstmanagement und den Erhalt der Arbeitsfähigkeit. Dazu gehören:
  • Bereitschaft zu Schicht- und Dienstverlegungen zur Gewährleistung von sicherem Arbeiten (Verständnis für wichtige Arzttermine und ggf. (Auffrischungs-)Schulungen).
  • Arbeitnehmer und Arbeitgeber profitieren von betrieblichen Rahmenbedingungen, die sicheres und gesundes Arbeiten mit Diabetes ermöglichen.
  • Maßnahmen betrieblicher Gesundheitsförderung zur Prävention von Adipositas, Bewegungsmangel und Früherkennung des Typ 2 Diabetes mellitus.
  • Unterstützung, wenn bestimmte Tätigkeiten vorübergehend/dauerhaft nicht ausgeübt werden können

Verantwortung der Betroffenen

Menschen mit Diabetes tragen selbst Verantwortung für ein gutes Diabetesmanagement, eine adäquate Stoffwechselführung, regelmäßige medizinische Kontrollen und Anpassung der Therapie an die Arbeitsbedingungen. Dazu gehört eine Schulung, welche die beruflichen Anforderungen einbezieht, um Unter- und Überzuckerungen zu vermeiden.

Zusammenfassung

Gut geschulte und im Umgang mit ihrer Stoffwechselstörung Diabetes mellitus vertraute und verantwortungsbewusste Menschen sind für eine Ausbildung sowie aktive und produktive Berufstätigkeit in fast allen Tätigkeitsbereichen sicher einsetzbar.
Eine erfolgreiche Integration am Arbeitsplatz erfordert eine konsequente, enge Kooperation zwischen allen Beteiligten: betroffenen ArbeitnehmerInnen, ArbeitgeberInnen, behandelnden ÄrztInnen/DiabetologInnen und unterstützendem medizinischem Fachpersonal.
Ziel ist, sowohl die Sicherheit in den Arbeitsprozessen zu gewährleisten, als auch die Leistungsfähigkeit, Teilhabe und Lebensqualität der Beschäftigten mit Diabetes zu sichern und so die Soziallasten der Gesellschaft zu reduzieren, ggflls. den Arbeitskräftemangel zu verringern.
Quelle:
Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG)
Ausschuß Soziales
Düsseldorf, 30. Januar 2026


Onkologische Ernährung: Keine Empfehlungen für Krebsdiäten

Die im Leitlinienprogramm Onkologie aktualisierte S3-Leitlinie „Klinische Ernährung in der Onkologie“ spricht sich gegen restriktive Diäten bei Krebs aus. Sogenannte Krebsdiäten und Fastenprogramme sind nicht geeignet, betonen die an der Leitlinie beteiligten Fachgesellschaften. Studien zeigen keinen Nutzen, aber ein hohes Risiko für Mangelernährung – was bei Krebspatient*innen zum Tod führen kann.

Durch eine Krebserkrankung oder -therapie verlieren viele Menschen Gewicht. Dann ist es besonders wichtig, einer Mangelernährung vorzubeugen. Denn der Ernährungszustand hat einen Einfluss auf den Erkrankungsverlauf und auf die Therapie: „Wird nicht rechtzeitig gegengesteuert, drohen Komplikationen, Therapieversagen und im schlimmsten Fall der Tod durch Mangelernährung“, sagt Professorin Jutta Hübner vom Universitätsklinikum Jena. Gemeinsam mit Dr. Jann Arends, Universitätsklinikum Freiburg, und Professorin Diana Rubin, Vivantes Humboldt-Klinikum Berlin, koordinierte sie die Aktualisierung der Leitlinie.

Krebsdiäten und Fasten sind gefährlich

Krebsbetroffene bekommen von Laien viele Ratschläge zu ihrer Ernährung. Mit elf Empfehlungen ordnet die Leitlinie besondere Ernährungsformen wie vegane, ketogene Ernährung oder die sogenannte Krebsdiät nach Breuß nun kritisch ein.

„Für vegetarische oder vegane Ernährung fehlt noch die Evidenz, um eine Empfehlung dafür oder dagegen auszusprechen. Bis verlässliche Studien vorliegen, ist für onkologische Patient*innen eine sorgfältige Planung zwingend erforderlich, um Mangelernährung zu vermeiden“, so Hübner. „Was sogenannte ‚Krebsdiäten‘ angeht: In der Leitlinie wird von strikten Diätvorschriften abgeraten. Sie schränken die Ernährung ein und bergen damit das Risiko von Mangelernährung und Gewichtsverlust. Dazu zählen Fasten, ketogene Diäten sowie die Diäten nach Budwig und Breuß.“
Bislang belegten Studien für diese Ernährungsformen keinen positiven Nutzen – durch die Nahrungsrestriktionen kann es vielmehr zu Mangelernährung kommen.

Neu: Ernährungstherapie bei operativer Tumortherapie

Im Zuge der Überarbeitung wurde ein neues Kapitel zur Ernährung bei operativer Tumortherapie aufgenommen. Die zwölf neuen Empfehlungen sehen unter anderem vor, dass der Ernährungsstatus vor und nach größeren onkochirurgischen Eingriffen mehrfach erhoben wird. Patient*innen, die voraussichtlich über mehrere Tage nach der Operation keine feste Nahrung zu sich nehmen können, sollen umgehend künstlich ernährt werden. Für die präoperative Phase empfiehlt die Leitlinie unter anderem, dass Patient*innen mit hohem Risiko – etwa bei starkem Gewichtsverlust innerhalb kurzer Zeit – zunächst eine Ernährungstherapie erhalten sollten, auch wenn sich dadurch der Operationstermin verschiebt.

Empathische Kommunikation: Ernährung in der Palliativsituation

In der Palliativversorgung soll die Lebensqualität von Patient*innen mit nicht-heilbaren Krebserkrankungen verbessert oder erhalten werden – eine differenzierte Ernährungstherapie kann hierzu beitragen. Neu ist die Empfehlung, wiederholt zu prüfen, ob eine enterale oder parenterale Ernährung noch dem Therapieziel entspricht. Diese Entscheidung soll regelmäßig gemeinsam mit den Betroffenen und Betreuenden evaluiert und bei Bedarf neu getroffen werden.

„Entscheidet sich eine an Krebs erkrankte Person, die Ernährung einzustellen, kann das zu Konflikten mit den Angehörigen führen. Es ist eine schwierige Situation“, so Hübner. „Um diese psychischen und physischen Belastungen durch die unterschiedlichen Wünsche zu vermeiden, empfehlen wir in der Leitlinie, dass das zuständige Fachpersonal proaktiv, klar und empathisch mit den Beteiligten kommuniziert.“
In den Phasen der Palliativversorgung sollten bei Ernährungsstörungen stets qualifizierte Ernährungsfachkräfte hinzugezogen werden, so die Empfehlung aus der Leitlinie.

Informationsmaterial:

www.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/klinische-ernaehrung-in-der-onkologie

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin e. V. (DGEM)


 

Wie wirken stark verarbeitete Lebensmittel auf die Gesundheit?

Erwachsene, die viele stark verarbeitete Lebensmittel (ultra-processed foods UPF) konsumieren, haben wahrscheinlich ein höheres Risiko für Übergewicht, Adipositas, Bluthochdruck, Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Für das Metabolische Syndrom und Allergien gibt es nicht genügend Daten, um Aussagen zum Zusammenhang mit dem UPF-Verzehr machen zu können; für Übergewicht/Adipositas bei Kindern und Jugendlichen sind die Ergebnisse in den eingeschlossenen Studien zu 15. DGE-Ernährungsbericht (Erscheinung Ende 2024) heterogen.

Etwa 50 % der Energieaufnahme stammen aus stark verarbeiteten Lebensmitteln (UPF)

Süßigkeiten, Gebäck, frittierte Snacks, Würstchen, Fleischersatzprodukte, Brotaufstriche und Fertiggerichte sind Beispiele für häufig stark verarbeitete Lebensmittel. Sie verdrängen zunehmend natürliche Lebensmittel und frisch zubereitete Speisen. Eine Ernährung mit einem hohen Anteil an stark verarbeiteten Lebensmitteln enthält meist viel Zucker, Salz und Fett, insbesondere gesättigte Fettsäuren, und gleichzeitig wenig Ballaststoffe, Proteine und Mikronährstoffe wie Vitamine und Mineralstoffe sowie sekundäre Pflanzenstoffe. In Deutschland stammten laut Berechnungen der Nationalen Verzehrsstudie II (NVS II) bereits Anfang der 2000er-Jahre etwa 50 % der gesamten Energieaufnahme von Erwachsenen aus stark verarbeiteten Lebensmitteln. Ihr Konsum wird mit Adipositas und chronischen Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes sowie einer erhöhten Sterblichkeitsrate in Verbindung gebracht. Der beobachtete Zusammenhang basiert bislang weitestgehend auf Querschnitt- und Kohortenstudien, die die zugrundeliegenden Wirkmechanismen wenig untersucht haben.

Grundsätzlich werden Lebensmittel und Getränke, deren Rohstoffe viele Verarbeitungsprozesse durchlaufen haben, als stark verarbeitete Lebensmittel bezeichnet. Je nach Rezeptur enthalten sie weitere, insbesondere energiereiche Zutaten wie gesättigte Fettsäuren und Zucker sowie Zusatzstoffe wie Aromen, Konservierungsmittel und Farbstoffe. Der Anteil an essenziellen Inhaltsstoffen wie Vitaminen, Mineralstoffen, Ballaststoffen und sekundären Pflanzenstoffen ist dagegen oft gering.

Ein typisches Beispiel für hochverarbeitete Lebensmittel sind pflanzliche Milchalternativen aus Soja, Hafer, Mandel, Reis oder Erbsen, die zunehmend Kuhmilch ersetzen. Dr. Britta Nagl, Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), Berlin, weist in ihrer Risikobewertung von Pflanzendrinks darauf hin, dass diese sich in ihrem Nährstoffprofil erheblich von Kuhmilch unterscheiden, insbesondere, wenn sie nicht mit Nährstoffen angereichert sind. Zu den langfristigen Auswirkungen eines häufigeren Konsums als Ersatz für Kuhmilch und den Langzeitkonsum auf die Gesundheit liegen bisher nur wenige Daten vor. Besonders für vulnerable Gruppen wie Kinder, Schwangere und Stillende können Nährstoffdefizite entstehen, wenn nicht angereicherte Produkte regelmäßig anstelle von Kuhmilch konsumiert werden. Nagl thematisiert auch mögliche Belastungen durch Schwermetalle und Mykotoxine.

Die französische Kohortenstudie NutriNet-Santé mit über 180 000 Teilnehmenden war eine der ersten internationalen Langzeitstudien, die die Zusammenhänge zwischen UPF und chronischen Erkrankungen nachwies und dadurch Ernährungsrichtlinien in mehreren Ländern beeinflusste. Aktuell rücken insbesondere Zusatzstoffe in den Blick: Das Forschungsprogramm ADDITIVES untersucht die Wirkung von Nitriten, künstlichen Süßstoffen, Emulgatoren und weiteren Stoffen, die in UPF weit verbreitet sind. Erste Ergebnisse belegen ein höheres Risiko für verschiedene Krebsarten, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Bluthochdruck. Auch die mögliche Rolle von Verpackungskontaminanten wird erforscht.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V.(DGE)


 

Krankheitserreger nutzen auch hormonelle Signalwege im Körper

Infektionen und Stoffwechselkrankheiten können sich gegenseitig begünstigen

Die Corona-Pandemie hat gezeigt, dass schädliche Wechselbeziehungen zwischen Virus-Infektionen und Erkrankungen des Stoffwechsels bestehen können.

Bestimmte Viren tragen dazu bei, hormonelle Erkrankungen des Stoffwechsels, etwa Diabetes mellitus Typ 1 und Typ 2 oder Adipositas, auszulösen. Umgekehrt ist es möglich, dass eine bereits bestehende Störung des Stoffwechsels den Verlauf eines Infekts ungünstig beeinflusst.

Offensichtlich nutzen die Krankheitserreger auch Signalwege von Hormonen im Körper, etwa jene zur Regulation des Zucker- und Fettstoffwechsels. Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie e. V. (DGE) spricht sich deshalb für eine weitere Erforschung der Wechselwirkungen zwischen Hormonsystemen und infektiösen Erregern aus. Idealerweise soll dies dazu beitragen, häufige, hormonell bedingte Stoffwechselkrankheiten zu verhindern, etwa durch gezielte Impfprogramme. Gleichzeitig könne möglicherweise der Verlauf von Infekten bei bereits Stoffwechsel-Erkrankten durch eine antivirale oder hormonelle Therapie abgemildert werden.

SARS-CoV-2, Enteroviren wie Coxsackie, Influenza-, Herpes-, Epstein-Barr- oder das HI-Virus stehen in Zusammenhang mit neu auftretenden chronischen Erkrankungen des Stoffwechsels nach der eigentlichen Infektion. So zeigen Daten aus der Corona-Pandemie, dass sich etwa durch eine COVID-Erkrankung die Wahrscheinlichkeit des Auftretens eines Diabetes mellitus Typ 1 deutlich erhöht. Aber auch andere hormonell aktive Gewebe wie die Nebennieren oder der Hypothalamus können in ihrer Funktion durch den Kontakt mit bestimmten Viren gestört werden.

Umgekehrt deuten zahlreiche epidemiologische Daten auf einen robusten Zusammenhang mit bereits bestehenden Stoffwechselerkrankungen mit der Schwere des Verlaufs hin, wenn bestimmte Viren beteiligt sind.
„Aus neuesten Untersuchungen wissen wir, dass manche Viren insulinähnliche Eiweiße oder auch Hormone produzieren können, die in den Stoffwechsel des betroffenen Organismus eingreifen“, sagt Professor Dr. med. Stefan Bornstein, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik III sowie des Zentrums für Innere Medizin am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden. Neben der Stoffwechselregulation scheinen diese „viralen Hormone“ auch den Zellumsatz und den Zelltod zu beeinflussen. „Wir haben aber auch gesehen, dass antivirale Medikamente das Auftreten eines Diabetes mellitus Typ 1 durch den Erhalt der Funktion der insulinproduzierenden Betazellen in der Bauchspeicheldrüse verzögern können“, fügt er hinzu. Umgekehrt habe sich gezeigt, dass klassische Medikamente, die zur Behandlung hormoneller Erkrankungen eingesetzt werden, die Anfälligkeit des Organismus für Infektionen verringern können – etwa antidiabetische Präparate wie DPP-4- Hemmer oder Metformin, so der Endokrinologe und Diabetologe.

„Man kann mittlerweile von einer endokrinen Virologie und sogar von dem Virom als einer zusätzlichen, hormonell stoffwechselaktiven Drüse sprechen“, so Bornstein, der 2024 die Berthold-Medaille der DGE erhielt. Doch viele Fragen sind noch offen: „Wir brauchen deshalb ein besseres Verständnis der Wechselwirkung der Hormonsysteme mit infektiösen Erregern – von den Grundlagen bis zur therapeutischen Anwendung“, sagt er.

So gehe es etwa darum, die Erkenntnisse für moderne therapeutische Ansätze zu nutzen: „Wenn Infektionskrankheiten Diabetes und andere Stoffwechselkrankheiten auslösen können, bedeutet es, dass wir durch Impfprogramme möglicherweise das Auftreten von häufigen Stoffwechselkrankheiten wie Diabetes und dem metabolischen Syndrom verhindern können“, zeigt er Perspektiven eines neuen Forschungsgebiets auf.

Professor Dr. med. Stephan Petersenn, Mediensprecher der DGE aus Hamburg, sieht in diesen Forschungsarbeiten einen Beleg für die enge Verzahnung der verschiedenen internistischen Fachgebiete.

„Trotz der zunehmenden Spezialisierung und Wissensverdichtung auch in der Endokrinologie wird in diesen Arbeiten die Notwendigkeit deutlich, über den Tellerrand zu schauen und den Organismus nicht nur durch die Brille der eigenen Expertise zu betrachten. Die Interaktion der menschlichen Organe untereinander und mit der Umwelt muss wieder mehr, im Sinne einer ganzheitlichen Betrachtung des Menschen, in den Vordergrund rücken.“

Quelle: Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie e.V. (DGE)


 

ePA – ja oder nein?

Seit dem 01. Oktober 2025 müssen medizinische Einrichtungen die ePA im Alltag integrieren. Sie ist der erste Schritt in eine zeitgemäße Gesundheitsversorgung. Medizinische Daten von Patienten werden dort zentral gespeichert, um behandelnden Personen digital zur Verfügung zu stehen – vertraulich und nach höchsten Sicherheitsstandards geschützt werden.

Die Antworten auf die wichtigsten Fragen haben wir für Sie recherchiert:

Was ist die ePA?

Die ePA ist ein patientengeführter und freiwilliger Gesundheitsordner. Jede gesetzlich krankenversicherte Person erhält sie automatisch von der Krankenkasse. Die Daten werden auf einem gesicherten und geschützten Server in Deutschland gespeichert. Die Organisation liegt bei der Gematik.

Wie kann ich die ePA verwenden?

Mit einer kostenlosen App am mobilen Endgerät, mit einem Kartenlesegerät an einem Rechner, vor Ort bei der Krankenkasse, mit Unterstützung durch behandelnde Personen, durch Personen, die ich als Vertreter bevollmächtige.

Welchen Inhalt hat die ePA?

Für die weitere Behandlung relevante Daten, zum Beispiel Arztbrief, Befundberichte aus der bildgebenden Diagnostik. Laborberichte. Abrechnungsdaten der Krankenkasse – auch aus der Vergangenheit, Medikationsliste mit Angabe zur Verordnung und zur tatsächlichen Abholung von Medikamenten. Zukünftig: Medikationsplan, Daten zu Erklärungen der Organ- und Gewebespende und Daten zu Hinweisen und zum Aufbewahrungsort von Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung.

Wer kann die Inhalte sehen und wie lange bearbeiten?

Patientinnen und Patienten können alle einzelnen Dokumente hochladen und verbergen bzw. löschen. Der Medikamentenplan kann nur in seiner Gesamtheit verborgen werden, nicht die einzelnen Medikamente. Behandelnde Personen oder Einrichtungen können Dokumente erst nach Einlesen der elektronischen Gesundheitskarte sehen. Dauer: in der Regel haben Behandelnde Zugriff für 90 Tage, Apotheken für 3 Tage.

Was sind die Vorteile für Patienten?

Bereits vorhandene Dokumente sind gesammelt an einem Ort verfügbar. Die ePA erlaubt einen schnelleren Zugriff zu Details in Notsituationen. Die eigentliche Behandlung kann direkter beginnen. Fehler in der Behandlung und Doppeluntersuchungen werden vermieden, keine Lücken in der Medikationsliste und erhöhte Medikamentensicherheit. Künftig: Zum Beispiel erweiterte Volltextsuche und Prüfung von Wechselwirkungen zwischen den Medikamenten.

Worüber kann ich genau bestimmen?

Welche Daten in der ePA liegen (bleiben), welche Einrichtung zugreifen kann (bereits vor Erstkontakt möglich, App/Ombudsstelle), Verbergen des Medikationsplanes ganz oder gar nicht (App/Ombudsstelle), der gesamten ePA widersprechen (bei Krankenkasse Ombudsstelle), dem Einstellen von Abrechnungsdaten widersprechen (App, Krankenkasse), dem Hochladen einzelner Daten bei der Einrichtung widersprechen (auch mündlich), der Sekundärnutzung als Forschungsdaten widersprechen (App/Ombudsstelle).

Wer hilft bei Fragen weiter?

Auf folgenden Internetseiten erhalten Sie weitere Informationen:
Die Patientenberatung hilft unter der Rufnummer 0800 011 77 22 zu folgenden Öffnungszeiten:
Montag
09:00Uhr – 12:00 Uhr
14:30 Uhr – 17:00 Uhr
14:30 Uhr – 17:00 Uhr
Mittwoch
09:00 Uhr – 12:00 Uhr
Donnerstag
09:00 Uhr – 12:00 Uhr
14:00 Uhr – 18:00 Uhr
Freitag 09:30 Uhr – 14:00 Uhr

Demoversionen der Krankenkassen-APPs nutzen

Die meisten Krankenkassen bieten vor der Anmeldung bei der ePA eine Demoversion an. Nutzen Sie dieses Angebot, um Ihre Entscheidung treffen zu können

Christine Melcher

Vorstand LV Sachsen-Anhalt


Gefälschte Gesundheitsprodukte im Internet

Immer mehr unseriöse Anbieter bewerben online Produkte gegen Diabetes, die nichts bewirken oder gar nicht erst ankommen.

Die Werbung sieht oft vertrauenswürdig aus:

  • mit Logos, z. B. von der DDG, Krankenkassen, Bundesministerien oder Verbraucherzentralen
  • mit Fotos bekannter Diabetologinnen und Diabetologen
  • mit angeblichen Empfehlungen von Ärztinnen und Ärzten sowie Fachgesellschaften
  • So erkennen Sie Fälschungen:
  • Kein oder unvollständiges Impressum
  • Unrealistische Versprechen wie „Heilung in 7 Tagen“ oder „100 % natürlich“
  • Bilder von echten Personen ohne deren Zustimmung
  • Bestellung nur über Facebook, Instagram oder dubiose Seiten
  • Webadresse klingt unseriös/seltsam

So handeln Sie richtig:

  • Nutzen Sie nur geprüfte Informationsquellen.
  • Kaufen Sie keine Gesundheitsprodukte über soziale Medien.
  • Fragen Sie im Zweifel Ärzte/Berater

Quelle: DDG


Harmlos oder gefährlich – was tun, wenn das Bein anschwillt?

Schwellungen an einem oder beiden Beinen sind eines der häufigsten Symptome, die Patientinnen und Patienten in die gefäßmedizinische Praxis führen. Dahinter kann eine Vielzahl unterschiedlicher Ursachen stehen, von harmlosen Hormonschwankungen über Nieren- oder Herzprobleme bis hin zu potenziell lebensgefährlichen Thrombosen.

Ein „dickes Bein“ ist keine eigenständige Erkrankung, sondern ein Symptom, das auf viele gesundheitliche Probleme hindeuten kann. „Um die ganze Bandbreite möglicher Ursachen zu verstehen, hilft ein Blick auf die Entstehungsmechanismen der Schwellung“, sagt DGG-Experte Dr. med. Hans-Walter Fiedler vom Gefäßmedizinischen Versorgungszentrum Kreis Soest. Meist ist die Schwellung Folge eines Ödems, einer Ansammlung von Gewebsflüssigkeit (Lymphe), die durch ein Ungleichgewicht zwischen deren Bildung und Abfluss entsteht.

Auslöser: Von Allergie bis Verletzung

Zu viel Lymphe wird etwa dann gebildet, wenn die Venenklappen geschwächt sind, das Blut also in die Beine zurücksackt und den Druck in den Kapillaren erhöht. „Eine große Risikogruppe sind daher Menschen mit Venenschwäche und Krampfadern, die fast 16 Prozent der Bevölkerung ausmachen“, erläutert Fiedler das Ausmaß des Problems. Darüber hinaus können Beinschwellungen bei Herz- oder Nierenschwäche auftreten, bei starkem Eiweißmangel oder als Nebenwirkung mancher Medikamente. Zu Ödembildungen kommt es ebenfalls, wenn die Durchlässigkeit der Gefäßwände zunimmt, was unter anderem bei Entzündungen, Allergien oder hormonell bedingt der Fall sein kann. Letztlich kann der Abtransport der Lymphe auch mechanisch blockiert sein – etwa nach Operationen, Verletzungen oder bei Adipositas.

Notfälle mit Ultraschall abklären

Ein echter Notfall liegt vor, wenn die Schwellung auf eine tiefe Beinvenenthrombose zurückgeht. „Diese Möglichkeit muss bei jeder neu auftretenden, einseitigen Beinschwellung bedacht und sofort abgeklärt werden“, betont Fiedler. Schnelle Gewissheit bringe eine Ultraschalluntersuchung der Beingefäße. Bei einer akuten Schwellung beider Beine müsse auch an eine höherliegende Thrombose im Bauchraum („Vena-cava-Thrombose“) gedacht werden.

Der Ursache auf den Grund gehen

Sind diese lebensbedrohlichen Erkrankungen ausgeschlossen, beginnt die Suche nach anderen Ursachen. Wichtige Hinweise geben der zeitliche Verlauf der Schwellungen – wann treten sie auf, wie lange bestehen sie schon? – sowie das Schwellungsmuster – ein- oder beidseitig, sind auch andere Körperteile betroffen? Bei der körperlichen Untersuchung achten Gefäßmediziner*innen auch auf Hautveränderungen, auf mögliche Schmerzpunkte und darauf, ob die Schwellung sich eindrücken lässt oder nicht. Bei Bedarf können sich Laboruntersuchungen, eine Bildgebung per CT oder MRT oder ein Herz-Ultraschall anschließen.

Aktivität hilft gegen Schwellung

So vielfältig wie die Ursachen sind auch die möglichen Therapieansätze. Gegen die Schwellung selbst sind in der Regel konservative Verfahren wie das Tragen von Kompressionsstrümpfen, Lymphdrainage und Gewichtsreduktion hilfreich.

„Hier können und müssen Betroffene auch selbst aktiv werden: Beine hochlagern, sich regelmäßig bewegen, nicht zu lange sitzen und stehen sind einfache, aber wirksame Maßnahmen“, so Fiedler. Je nach Grunderkrankung könne zudem die Einnahme entwässernder Medikamente sinnvoll sein, unter Umständen auch eine Thromboseprophylaxe.
Verschiedene operative Verfahren

Nicht zuletzt stehen auch operative Verfahren zur Verfügung wie etwa die Entfernung kranker Venen oder Gefäßrekonstruktionen bei Abflussstörungen. Auch beim Lipödem, der krankhaften Vermehrung von Fettgewebe, die medizinisch betrachtet kein wirkliches Ödem ist, kann eine Operation sinnvoll sein. „Bei jeder Schwellung der Beine sollte frühzeitig ärztlicher Rat eingeholt werden“, resümiert Gefäßspezialist Fiedler. „Denn mit einer adäquaten Therapie lassen sich viele Komplikationen vermeiden und die Lebensqualität erhalten.“

Paradigmenwechsel bei der Therapie der Schaufensterkrankheit

Lange Zeit galt, fortgeschrittene Durchblutungsstörungen in den Beinen nach Möglichkeit minimalinvasiv zu beseitigen. Doch die Regel „endovaskulär first“ ist überholt. Diese Erkenntnis ist festgehalten in der aktualisierten S3-Leitlinie zur peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK), einer Erkrankung, an der in Deutschland mehr als zehn Prozent der über 60-Jährigen leiden. Ob undurchlässige Gefäße endovaskulär, offen chirurgisch mit einem Bypass oder gar nicht operiert werden, hängt in erster Linie von den Beschwerden, dem Zustand und dem Risiko der Erkrankten ab. Damit erfolgt eine weitgehende Neubewertung der pAVK-Therapie, wie die Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin e.V. (DGG) mitteilt.

Klassischerweise macht sich die pAVK zu Beginn mit krampfartigen Schmerzen in den Waden bemerkbar, die Betroffene beim Gehen zum Anhalten zwingen („vor dem Schaufenster stehen bleiben“). Wer sich in diesem Stadium befindet, soll zunächst ein Gehtraining erhalten, flankiert von Lebensstilmaßnahmen und einer optimalen medikamentösen Therapie – für die Dauer von drei bis sechs Monaten. Im Focus: Gehtraining (dreimal pro Woche) und Medikamente stehen an erster Stelle sowie bei Gebrechlichkeit ist kein Eingriff oft die bessere Option.

Neu: Ermittlung des Gebrechlichkeitsgrads – Ergibt das Assessment eine alterstypische Muskelschwäche, kann eine gezielte Prähabilitation mit leichten körperlichen Übungen und hochkalorischer Ernährung die Patientinnen und Patienten vor dem Eingriff in einen besseren Zustand bringen. „Ist der Betroffene zu gebrechlich und ein Eingriff zu riskant, rücken eine gute Schmerztherapie und eine professionelle Wundpflege in den Fokus, um bestmögliche Lebensqualität zu erhalten

Quelle: DGG

Videoanleitung für Beinmassagen Helfen Sie sich selbst und lindern Sie Ihre Schmerzen frühzeitig!

youtube.com/watch?v=Cix3Nhj_PPk

youtube.com/watch?
v=w0DsDSlVcLw


 

Lasertherapie beschleunigt Wundheilung

Chancen für die Behandlung des diabetischen Fußsyndroms

Eine neue Metaanalyse zeigte, dass eine niedrig dosierte Lasertherapie eine wirksame Zusatzbehandlung für Menschen mit diabetischen Fußgeschwüren im Stadium I und II sein könnte. Die Lasertherapie verbesserte die Wundheilung, verkleinerte die Wundfläche und reduzierte sowohl die bakterielle Belastung als auch das Risiko für Infektionen.

Das diabetische Fußsyndrom

Bei Menschen mit Diabetes können sich häufig gesundheitliche Probleme an den Füßen entwickeln. Speziell Fußgeschwüre stellen eine hohe Belastung dar. Lasertherapie mit niedriger Dosis des Lasers ist ein möglicher Ansatz zur zusätzlichen Behandlung von diabetischen Fußgeschwüren.

Ist niedrig dosierte Lasertherapie bei diabetischen Fußgeschwüren effektiv?
Eine aktuelle Studie hatte zum Ziel, die Wirksamkeit eine niedrig dosierten Lasertherapie bei Menschen mit diabetischen Fußgeschwüren der Grade I – II zu ermitteln.

Hierzu führten die Wissenschaftler eine systematische Literaturrecherche in den Datenbanken PubMed, Embase, Web of Science, EBSCO, Cochrane, ClinicalKey, Ovid Medline, Sinomed, CNKI und WANFANG durch. Der Stichtag für die Aufnahme von Studien war der 15. September 2024. Zwei Experten wählten unabhängig voneinander geeignete Studien aus und extrahierten die Daten.

Lasertherapie verbesserte Wundheilung und reduzierte Infektionen

Die niedrig dosierte Lasertherapie stellt eine wirksame Zusatzbehandlung zur Förderung der Wundheilung bei diabetischen Fußgeschwüren der Grade I – II dar, so das Fazit der Studienautoren. Dennoch sind weitere Studien erforderlich, um die Effekte auf die Dauer der Heilung und die langfristige Reduktion der Wundfläche zu bestätigen

Quelle: DeutschesGesundheitsPortal


 

Diabetes-Fuß besser mit Akupunktur

Die Inzidenz und Prävalenz von Diabetes mellitus und der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK) nehmen weltweit zu. Beide Erkrankungen sind mit hohen Morbiditäts- und Komplikationsraten verbunden, wie z. B. chronischen, nicht heilenden peripheren Geschwüren.

Eine beeinträchtigte Durchblutung größerer und kleinerer Gefäße (Makro- und Mikrozirkulation) sowie eine periphere Neuropathie führen bei diesen Patienten zu einem erhöhten Risiko für Fußgeschwüre und Infektionen.

Diese Komplikationen sind schwer zu behandeln, bergen ein hohes Risiko, chronisch zu werden und können eine Amputation zur Folge habe.

Eine Pilotstudie aus Deutschland hat nun untersucht, ob eine Akupunkturbehandlung bei Patienten mit diabetischem Fußsyndrom oder pAVK die Durchblutung an den Wundrändern verbessern kann.

Kann Akupunktur die Durchblutung bei Fußgeschwüren verbessern?

Die Wissenschaftler erhoben bei Patienten mit chronischen, nicht heilenden peripheren Geschwüren und diagnostiziertem Diabetes mellitus oder pAVK 8 Mikrozirkulationsparameter auf intakter Haut nahe dem Wundrand. Die Mikrozirkulation wurde mittels Gewebephotospektrometrie und Laserdopplerflußmessung (O2C-Messung) untersucht. Die Akupunkturbehandlung erfolgte unilateral sowie bilateral auf der Verbindungslinie zwischen den Akupunkturpunkten Magen 14 und Magen 15.

Akupunktur und Mikrozirkulationsmessung bei 18 Patienten

Insgesamt wurden 18 Patienten behandelt und die Mikrozirkulation nahe am Wundrand untersucht. Nach einseitiger Akupunktur (ipsilateral zur Wundseite) konnte im Vergleich zu den Ausgangsmessungen vor der Akupunktur eine statistisch signifikante Verbesserung in 7 von 8 Mikrozirkulationsparametern nachgewiesen werden. Nach bilateraler Akupunktur kam es sowohl bei Diabetes- als auch bei pAVK-Patienten zu einer zusätzlichen Verbesserung aller Parameter.

Akupunktur verbessert Mikrozirkulationsparameter

Diese Ergebnisse zeigen eine Verbesserung der Mikrozirkulation und des peripheren Blutflusses an den Wundrändern der Fußulcera bei Diabetes- und pAVK-Patienten. Da eine gestörte Mikro- und Makrozirkulation als entscheidender Prognosefaktor für die Heilung einer peripheren Läsion gelten, könnte sich die Akupunkturbehandlung positiv auf die Heilung chronischer, peripherer Wunden auswirken, so die Hoffnung der Autoren der Pilotstudie.

Quelle: DeutschesGesundheitsPortal


 

Innovative Einlegesohle mit Sensoren

Mehr Schutz vor Fußgeschwüren bei Diabetes

Eine innovative Einlegesohle erkennt über Sensoren frühzeitig Temperaturveränderungen in den Füßen und kann somit Fußgeschwüren als eine der häufigsten und schwerwiegendsten Komplikation von Diabetes vorbeugen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie unter der Leitung von Prof. Dr. Peter Mertens, Direktor der Universitätsklinik für Nieren- und Hochdruckkrankheiten, Diabetologie und Endokrinologie der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Das Forschungsteam hat dazu eine eigene telemedizinische Plattform entwickelt und klinisch untersucht. Die Ergebnisse sind im Deutschen Ärzteblatt International veröffentlicht worden.

Die Diagnose Diabetes betrifft mehr als 10 Prozent der Bevölkerung in Deutschland und bringt oft einschneidende Veränderungen im Lebensstil mit sich. Prof. Mertens erklärt: „Im Vergleich zu den vergangenen 20 Jahren können Patientinnen und Patienten mit Diabetes heute zwar sehr viel besser unterstützt werden. Dennoch treten nach Jahren häufig Folgeerkrankungen auf, darunter Gefäßveränderungen und Nervenschäden.“ Viele Diabetikerinnen und Diabetiker leiden zudem unter Durchblutungsstörungen der Beine und Füße. „Schon kleinste Kratzer oder Druckstellen können sich schnell zu offenen und chronischen Wunden entwickeln. Daher ist es wichtig, dass Menschen mit Diabetes mellitus ihre Füße und Beine täglich rückfetten und selbst untersuchen, zum Beispiel mit einem Handspiegel“, so der Experte.

Die Studie der Magdeburger Forschungsgruppe setzt genau dort an und verfolgte mit der Entwicklung und Überprüfung einer innovativen Telemedizin-Plattform gleichzeitig einen neuen Ansatz zur Früherkennung von Fußgeschwüren bei Menschen mit Diabetes. Es wurden Temperatursensoren in speziell konzipierte Einlegesohlen integriert und an eine Gruppe von 140 Probandinnen und Probanden ausgegeben. Die Versuchspersonen führten täglich zwei Messungen der Fußtemperatur über zirka fünf Minuten durch, wobei die Werte über ein Mobiltelefon an den Studienarzt übertragen wurden. Gleichzeitig konnten auch Bilder der Füße und Kommentare zum Gesundheitszustand übermittelt werden.

Der Studienarzt nutzte die Telemetrie, um Temperaturanstiege von über 1,5 Grad Celsius zu überwachen. Bei anhaltenden Anstiegen über drei Tage wurden die Probandinnen und Probanden gebeten, ihre Füße zu entlasten. Eine Vergleichsgruppe mit 143 Personen erhielt keine telemetrische Betreuung. Nach 24 Monaten zeigte die Gruppe ohne Temperaturmessung fünf beginnende Fußgeschwüre, während diejenigen mit Temperaturmessungen keine Geschwüre entwickelten.

Prof. Mertens betont: „Mit dieser Studie haben wir einen großen Meilenstein geschafft. Das Patienten-Feedback war durchweg positiv und die Studienergebnisse weisen darauf hin, dass die Implementierung einer telemedizinischen Überwachungsstrategie effektiv sein kann, insbesondere bei Patienten mit Diabetes und Polyneuropathie. Das System ermöglicht eine frühzeitige Erkennung von Fußveränderungen und verbessert somit die Lebensqualität.“

Der Fokus der Forschungsgruppe liegt nun auf der medizinischen Zertifizierung der smarten Einlegesohle, die in Zusammenarbeit mit der Firma Thorsis aus Magdeburg entwickelt wurde.

Die Studie wurde durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und das Ministerium für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt des Landes Sachsen-Anhalt gefördert.

Quelle: DeutschesGesundheitsPortal