Diabetischer Fuß

Frühzeitig erkennen, kompetent behandeln, Amputationen verhindern

n Deutschland verlieren noch immer zu viele Menschen Zehen, den Fuß oder gar das Bein, weil eine Gefäßerkrankung nicht rechtzeitig und adäquat behandelt wird. Besonders häufig aber werden Amputationen bei Menschen mit Diabetes erforderlich. Um Betroffene auf diese oft unterschätzte Gefahr hinzuweisen und zu einer besseren Prävention beizutragen, widmet die Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin e.V. (DGG) ihren diesjährigen Gefäßtag dem Diabetischen Fußsyndrom. Der Aktionstag findet jedes Jahr am 16. November statt und bietet Interessierten die Gelegenheit, in den teilnehmenden Kliniken fundierte Informationen zu erhalten und direkt mit Spezialistinnen und Spezialisten ins Gespräch zu kommen. Durch eine rechtzeitige Behandlung in einem spezialisierten Zentrum sinkt das Risiko einer Amputation um ein Drittel.

Rund jeder neunte Mensch in Deutschland ist von einer Zuckerkrankheit betroffen, weist also – oft ohne es zu wissen – regelmäßig zu hohe Blutzuckerwerte auf. Dadurch kann es zu einer schleichenden Schädigung der Blutgefäße und Nerven im Körper kommen. „Diese Schäden bringen besonders die Füße in Gefahr“, erklärt Dr. med. Hartmut Görtz, Vorstandsmitglied der DGG. Reize wie Druck, Schmerz, Hitze oder Kälte werden aufgrund der Nervenschäden, der so genannten Polyneuropathie, nur noch eingeschränkt wahrgenommen. Kleinere Verletzungen bleiben so leicht unerkannt.

Keime dringen über rissige Haut ein

Zu allem Übel lässt die Polyneuropathie zugleich das Risiko für Wunden ansteigen. „Bei vielen Betroffenen verändern sich mit der Zeit die Form und die Stellung der Füße, es kommt leichter zu Druckstellen und Schwielen. Auch wird die Haut schnell trocken und rissig“, sagt Görtz. So entstehen Eintrittspforten für Keime. Aufgrund der Diabetes-bedingten Gefäßschäden ist zudem die Durchblutung der Füße schlechter, und einmal entstandene Wunden heilen nur schwer ab. Dringen Keime in tiefe Gewebeschichten vor und gerät die Infektion außer Kontrolle, muss im schlimmsten Fall der betroffene Teil des Fußes oder des Beines amputiert werden.

Füße täglich von allen Seiten in Augenschein nehmen

Doch so weit muss es nicht kommen. „Mit einer guten Vorsorge und einer frühzeitigen Therapie ließe sich der Gliedmaßenverlust in vielen Fällen verhindern“, betont DGG-Experte Görtz. Oberstes Gebot für alle Menschen mit Diabetes ist es, die Füße täglich von allen Seiten in Augenschein zu nehmen und bei Wunden oder anderen Veränderungen schnell zu reagieren. Auch der betreuende Hausarzt oder die Diabetologin untersuchen die Füße regelmäßig und prüfen die Funktion der Nerven und Gefäße. Werden dann Krankheiten festgestellt, sollten Patientinnen und Patienten von der Gelegenheit Gebrauch machen, zu Lasten der Krankenkassen alle vier bis sechs Wochen eine podologische Praxis aufzusuchen, um eine speziell auf die Bedürfnisse von Diabeteserkrankten abgestimmte Fußpflege vornehmen zu lassen. Zur Vorbeugung gehört es auch, mögliche Fehlstellungen durch die Anpassung von Spezialschuhen und/oder Einlagen auszugleichen.

Wunden in spezialisierten Zentren behandeln lassen

Sind bereits Wunden entstanden, sollte die weitere Behandlung in einem spezialisierten Zentrum erfolgen. Dort arbeiten Expertinnen und Experten aus verschiedenen medizinischen und medizinnahen Bereichen eng zusammen, um die Krankheitsfolgen zu minimieren. „Die Gefäßmedizin und Gefäßchirurgie nimmt neben der Diabetologie hierbei eine wichtige Rolle ein“, sagt Professor Dr. med. Jörg Heckenkamp, Präsident der DGG. Spezialisten und Spezialistinnen aus diesem Fachbereich können die Blutversorgung im betroffenen Fuß wieder verbessern, indem sie verengte Gefäße per Katheter aufdehnen oder durch das Anlegen eines Bypasses umgehen.

Jede dritte Amputation ist vermeidbar

Der Erfolg einer frühzeitigen interdisziplinären Behandlung in spezialisierten Zentren ist enorm. „Eine solche Behandlung senkt das Risiko für Amputationen insgesamt um 29 Prozent, die Notwendigkeit für hohe Amputationen sogar um 48 Prozent und damit um fast die Hälfte“, so Görtz. Dank der verbesserten Behandlungsmöglichkeiten ist die Zahl der Amputationen daher rückläufig. Dennoch wurden im Jahr 2022 in Deutschland noch über 30.000 Amputationen bei Männern vorgenommen, rund 5.700 davon hohe Amputationen, bei denen nicht nur der Fuß betroffen war. Bei Frauen lagen die Zahlen mit insgesamt 8.670 Amputationen – davon knapp 2.100 hohe Amputationen – deutlich niedriger.

Veränderungen am Fuß ernst nehmen!

Diese Zahlen ließen sich noch weiter senken, wenn tatsächlich alle Betroffenen leitliniengerecht in speziellen Zentren behandelt würden, ist Görtz überzeugt. Seine Botschaft an Betroffene lautet daher: „Nehmen Sie jede Veränderung am Fuß ernst und begeben Sie sich in die Behandlung eines spezialisierten Teams!“

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin e.V. (DGG)


 

Polymer für Wundauflagen

Schmerzfrei ablösen ohne Rückstände

Ein neuartiger Ansatz ermöglicht Verbände, die bei Körpertemperatur fest auf der Haut haften, sich aber in Kombination mit einer Kältepackung leicht und schmerzfrei entfernen lassen.

Der Verband haftet fest auf der Haut oder der Wundstelle ohne die Bewegungsfreiheit des Patienten einzuschränken. Durch Kühlung z.B. mit einer Kältepackung lässt er sich leicht und ohne Schmerzen wieder abnehmen. Zudem bleiben keine Kleberückstände am heilenden Gewebe haften.

Ein Pflaster oder eine Wundauflage soll eine Wunde steril abdecken, schützen und dabei zuverlässig kleben, aber trotzdem möglichst schmerzfrei wieder abgezogen werden können. Auch sollte die Hauterneuerung nicht wieder beschädigt werden. Ein neu entwickelter Ansatz in der Wundversorgung ermöglicht Verbände, die bei Körpertemperatur fest auf der Haut haften, sich aber in Kombination mit einer Kältepackung leicht und schmerzfrei entfernen lassen.

Noch heute basiert der Großteil der selbstklebenden Wundauflagen auf einem vor mehr als 100 Jahren entwickelten System auf Basis von Zinkoxid-Kautschukkleber. Da das Entfernen von Pflastern und anderen selbstklebenden Wundauflagen sehr schmerzhaft sein kann und dabei das regenerierte Gewebe wieder verletzt wird, wird seit mehr als 30 Jahren an alternativen Klebematerialien auf Basis des „bond / debond-on-demand“-Prinzips geforscht. Denn für Allergiker, für Verbrennungswunden oder chronischen Wunden bei Diabetikern zum Beispiel gibt es derzeit noch keine geeignete Lösung.

Forschende der Universität Freiburg haben nun in einem von der Baden-Württemberg Stiftung geförderten Projekt ein innovatives Polymer für Wundauflagen entwickelt, welches temperaturgesteuert sicher klebt, sich aber leicht wieder ablösen lässt. Der innovative Ansatz ermöglicht Verbände, die bei Körpertemperatur fest auf der Haut oder der Wundstelle haften ohne die Bewegungsfreiheit des Patienten einzuschränken. Wird der Verband aber gekühlt, z.B. durch eine Kältepackung, lässt er sich ganz leicht und ohne Schmerzen wieder abnehmen. Zudem bleiben keine Kleberückstände am heilenden Gewebe haften. Die Eigenschaft des Klebematerials, also eine „schaltbare Klebrigkeit“ wird durch einen Kristallisationsprozess erreicht.

Das Forscherteam am Institut für Makromolekulare Chemie der Universität Freiburg hat unter der Leitung von Prof. Dr. Rolf Mülhaupt (PhD) und Prof. Dr. Thorsten Steinberg (PhD), der von der Medizin her am Universitätsklinikum Freiburg das Projekt betreute und die Materialien klinisch/biologisch evaluierte, einen Klebstoff entwickelt, der aus Copolymeren und PVA-Fettsäureestern mit kristallisierbaren Seitenketten und unterschiedlicher Zusammensetzung besteht. Die Strategie beruht auf thermoresponsiven Polymeren, welche bei Raumtemperatur fest und bei Körpertemperatur geschmolzen vorliegen und nur im geschmolzenen Zustand Haftung aufweisen.

Durch Kühlen kristallisieren diese Seitenketten, was zum Verlust der Haftung auf der Haut führt. Die Kristallisation bewirkt dabei eine physikalische Vernetzung des Materials, wodurch die Haftung auf der Haut stark gehemmt wird und gleichzeitig die Kohäsion des Materials zunimmt. Dadurch lässt sich die entsprechende Wundauflage an einem Stück ohne Kleberückstände und ohne Schmerzen zu verursachen entfernen. Gleichzeitig kommt es zu einer Volumenverkleinerung, wodurch die Kontaktfläche zwischen Wundauflage und Haut verringert und ein Ablösen der entsprechenden Wundauflage unterstützt wird.

Das bedeutet in der Anwendung, dass sich das Material durch Körperwärme verändert und klebt dadurch. Durch Auflegen eines Kühlakkus kristallisiert das Material wieder und haftet dadurch nicht mehr an der Haut. Das Material tritt dabei nicht in die Wunde ein. Geeignet ist diese Wundauflage daher vor allem bei Verbrennungen oder bei allergischer, empfindlicher Haut bzw. infizierten Wunden, da Hautverletzungen oder -ablösungen vermieden werden. Auch bei der stationären Wundbehandlung von Patienten oder bei großen Wunden ist eine solche Wundauflage ideal, da keine Haftmittel zurückbleiben und das Haftmittel zudem eine exzellente Biokompatibilität aufweist.

Die Erfindung wurde zum Patent angemeldet (WO2023/134899A1). Die Technologie-Lizenz-Büro (TLB) GmbH unterstützt die Wissenschaftler der Universität Freiburg und die Baden-Württemberg Stiftung bei der Patentierung und Vermarktung der aktuellen Entwicklung. TLB ist mit der Verwertung dieser zukunftsweisenden Technologie beauftragt und bietet Herstellern von Wundmaterialien Möglichkeiten der Lizenzierung, Kauf des Patents oder Kooperationen in der Weiterentwicklung

Zum Expsoé:

www.tlb.de/technologieangebote/pdf/21-034tlb.pdf

Quelle: DeutschesGesundheitsPortal


 

Männer sind anders. Frauen auch.

Geschlechtsunterschiede in der Diabetologie ernst nehmen Die Berücksichtigung geschlechtsspezifischer Unterschiede ist in der modernen Diabetologie kein „Nice-to-have“, sondern eine Grundvoraussetzung für wirksame Prävention, Diagnostik und Therapie. Männer und Frauen unterscheiden sich nicht nur in ihrer Hormonlage, sondern auch in ihrer Selbstfürsorge, in der Wahrnehmung von Symptomen, in der Stoffwechselregulation und in ihrem Ansprechen auf Medikamente.
Gerade bei Frauen mit Diabetes zeigen sich deutliche Unterschiede im Krankheitsverlauf. Nach der Menopause steigt ihr Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall signifikant – um 40 beziehungsweise 25 Prozent im Vergleich zu Männern. Ursache sind nicht nur klassische Risikofaktoren wie Blutzuckerund Fettstoffwechselstörungen, sondern auch hormonelle Veränderungen, eine oft unzureichende Selbstfürsorge und strukturelle Unterversorgung. Frauen nehmen sich häufig selbst zuletzt wahr – das muss sich ändern.
Zudem sind Frauen oft mehrfach belastet: Sie tragen nach wie vor den Großteil der Sorgearbeit – ob in der Kindererziehung oder in der Pflege von Angehörigen. Gleichzeitig sind sie häufiger von sozioökonomischer Benachteiligung betroffen, verdienen weniger, haben seltener Zugang zu höherer Bildung und verfügen über geringere Gesundheitsressourcen. Diese strukturellen Ungleichheiten erschweren den Zugang zu Präventions- und Versorgungsangeboten – mit unmittelbaren Folgen für die Krankheitsbewältigung und Prognose.
Auch der weibliche Zyklus beeinflusst den Zuckerstoffwechsel: Zwei Drittel aller Frauen mit Diabetes erleben in der zweiten Zyklushälfte eine reduzierte Insulinempfindlichkeit. Dennoch werden prämenopausale Frauen in Studien oft ausgeschlossen – ein strukturelles Problem in der klinischen Forschung. Die Menopause wiederum bringt häufig eine Gewichtszunahme im Bauchbereich, verstärkte Insulinresistenz und neue Herausforderungen in der Einstellung des Blutzuckers mit sich. Hier braucht es maßgeschneiderte Therapieansätze.
Männer mit Diabetes sind hingegen häufiger von schlechter Therapieadhärenz betroffen, insbesondere bei Krebserkrankungen – ein weiteres Beispiel dafür, dass erfolgreiche Versorgung Geschlechtersensibilität braucht.
Trotz dieser Erkenntnisse fehlen geschlechtsspezifische Daten häufig in Studien, und pharmakokinetische Unterschiede werden nicht ausreichend berücksichtigt. Die Folge: eine Medizin, die Männern und Frauen nicht gerecht wird.

Daher fordert die Deutsche Diabetes Gesellschaft:

  • konsequent gendersensible Forschung, insbesondere zur Wirkung antidiabetischer
  • Medikamente in verschiedenen Lebensphasen,
  • die Integration patientenberichteter Outcomes (PROMs), um Unterschiede in Alltag und Therapieerleben sichtbar zu machen,
  • gezielte Förderung von Clinician Scientists, die moderne Technologien und Geschlechtersensibilität verbinden,
  • und eine verpflichtende Berücksichtigung von Geschlecht, psychosozialer Situation und Lebensrealität in der klinischen Praxis und Leitlinienentwicklung.
Diabetologie der Zukunft heißt: individualisiert, gerecht, geschlechtersensibel – damit alle Patientinnen und Patienten die Versorgung bekommen, die sie brauchen.
Quellen: Professor Dr. Julia Szendrödi
Präsidentin der DDG, Ärztliche Direktorin der Klinik für Endokrinologie, Diabetologie, Stoffwechselkrankheiten und Klinische Chemie des Universitätsklinikums Heidelberg

Deutsche Diabetes Gesellschaft e.V. (DDG)


Keine „männlichen Wechseljahre“ – aber echte Symptome

Stimmungstiefs, schwindende Lust, schlaffe Muskeln: Wenn Männer älter werden, verändert sich auch ihr Hormonhaushalt. Oft ist dann von der „Andropause“ oder den „Wechseljahren des Mannes“ die Rede. Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie e. V. (DGE) stellt klar: Einen abgegrenzten hormonellen Einschnitt wie bei Frauen gibt es bei Männern nicht. Dennoch kann ein sinkender Testosteronspiegel für Beschwerden verantwortlich sein. In bestimmten Fällen ist hier eine medizinische Abklärung sinnvoll.

Testosteron ist eines der wichtigsten männlichen Geschlechtshormone. Es spielt eine entscheidende Rolle für die körperliche Entwicklung in der Pubertät: Penis und Hoden vergrößern sich, die Stimme wird tiefer und Muskeln sowie Körperbehaarung entwickeln sich. Auch im Erwachsenenalter ist Testosteron ein wichtiges Hormon und vor allem verantwortlich für die sexuelle Lust, die Muskelkraft, die Knochengesundheit und die Konzentration. „Testosteron beeinflusst viele Bereiche im Körper – nicht nur Sexualität, sondern auch Wohlbefinden, Energie und Leistungsfähigkeit“, sagt Professor Dr. med. Sven Diederich, Facharzt für Innere Medizin, Endokrinologie, Andrologie und Diabetologe (DDG) am Medicover Berlin-Mitte MVZ. „Ein gewisser Rückgang des Hormons im Alter ist völlig normal – doch manchmal steckt hinter Beschwerden mehr als der normale Alterungsprozess.“

Testosteronspiegel sinkt mit steigendem Alter

Anders als bei Frauen verläuft der Rückgang der Geschlechtshormone beim Mann nicht plötzlich, sondern schleichend. Ab dem 40. Lebensjahr sinkt der Testosteronspiegel jährlich um etwa ein Prozent. Viele Männer merken davon zunächst wenig. Erst mit zunehmendem Alter können sich Symptome bemerkbar machen: „Ab etwa 60 berichten manche Männer über Müdigkeit, Konzentrationsprobleme, Muskelabbau oder Libidoverlust“, erklärt Diederich.
Zu den möglichen Symptomen eines Testosteronmangels gehören Schlafstörungen, Antriebslosigkeit, sexuelle Unlust, Gewichtszunahme, Muskelschwäche oder depressive Verstimmungen. „Diese Beschwerden sollten ernst genommen werden. Ob aber tatsächlich ein Hormonmangel vorliegt, lässt sich nur durch eine Blutuntersuchung feststellen“, betont der Androloge.

Wann ein Testosteronmangel vorliegt – und was ihn auslöst

Nicht jeder niedrige Testosteronwert ist behandlungsbedürftig. Mediziner*innen sprechen erst bei einem Wert unter 8 Nanomol pro Liter von einem echten Testosteronmangel. Dieser kann durch Erkrankungen der Hoden oder der Hirnanhangsdrüse verursacht sein – und muss dann lebenslang behandelt werden. Viel häufiger aber haben Männer nur vorübergehend niedrige Werte. „Schlafmangel, Übergewicht, starker Stress oder Alkoholmissbrauch können den Testosteronspiegel senken“, erläutert Diederich. „In solchen Fällen helfen schon kleine Veränderung der Lebensweise und machen Hormonpräparate unnötig.“

Gesunder Lebensstil und Bewegung sind essenziell

Auch ohne Hormonbehandlung können Männer einiges tun, um ihr hormonelles Gleichgewicht zu unterstützen. Diederich empfiehlt einen gesunden Lebensstil mit Bewegung und eine ausgewogene Ernährung. Auch der Verzicht auf Nikotin und Alkohol könne helfen.

DGE warnt vor pauschaler Hormontherapie

Die DGE rät Männern, sich bei anhaltenden Beschwerden ärztlich untersuchen zu lassen – und warnt zugleich vor Schnellschüssen. „Testosteron ist kein Lifestyle-Mittel, sondern ein lebenswichtiges Hormon“, fasst Privatdozentin Dr. med. Dr. jur. Birgit Harbeck, Mediensprecherin der DGE und Fachärztin für Innere Medizin, Endokrinologie und Diabetologie am Endokrinologikum Kiel, zusammen. Der Griff zu Speicheltests oder frei verkäuflichen Testosteron-Boostern sei aus medizinischer Sicht problematisch. Eine sorgfältige Diagnostik in einer endokrinologischen Fachpraxis sei der richtige Weg. Denn nur, wenn der Testosteronmangel nachgewiesen ist und mit den Beschwerden im Zusammenhang steht, ist eine Therapie sinnvoll.

Quelle: DeutschesGesundheitsPortal


 

Auf dem Vormarsch

Typ-2-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

Übergewicht und Adipositas nehmen auch bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland weiter zu. Nach den Daten des Robert Koch-Instituts haben 15,4 Prozent der Kinder und Jugendlichen zwischen 3 und 17 Jahren Übergewicht, davon etwa 6 Prozent Adipositas. Damit steigt auch das Risiko für Begleiterkrankungen wie Typ-2-Diabetes, von dem 2022 etwa 1.000 Jugendliche im Alter von 11 bis 17 Jahren betroffen waren. Die jüngste Zulassung des GLP-1-Rezeptoragonisten Liraglutid für junge Patientinnen und Patienten ab 10 Jahren zeigt, wie ernst die Lage ist. Umso dringlicher fordert die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) verbindliche, früh ansetzende Maßnahmen der Verhältnisprävention: von wirksamen Werbeschranken für ungesunde Lebensmittel bis hin zu verbindlichen Standards für gesunde Schulverpflegung und Schulsport. Das Thema steht im Mittelpunkt der Vorab-Pressekonferenz anlässlich der Diabetes Herbsttagung 2025.

„Die Prävalenz von Typ-2-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen steigt – auch in Deutschland. Ein früher Beginn bedeutet eine längere Krankheitsdauer, mehr Belastung und ein höheres Risiko für Komplikationen bereits im jungen Erwachsenenalter“, sagt Professor Dr. med. Karsten Müssig, Tagungspräsident der Diabetes Herbsttagung 2025 und Chefarzt der Klinik für Innere Medizin, Gastroenterologie und Diabetologie am Franziskus-Hospital Harderberg der Niels-Stensen-Kliniken. „Nur mit verbindlichen, früh ansetzenden Präventionsmaßnahmen können wir diesen besorgniserregenden Trend wirksam aufhalten.“

Früherkennung erleichtert gezielte Prävention

Eine ausgewogene Ernährung bleibt die Basis: Sie verhindert Übergewicht, stabilisiert den Blutzucker, verbessert die Insulinwirkung und senkt den Medikamentenbedarf. „Kurz gesagt: weniger Zucker und Fast Food, mehr Gemüse, Vollkorn und gesunde Fette – am besten mit Familienunterstützung“, so Müssig.

Doch auch Medikamente spielen bei Jugendlichen mit Typ-2-Diabetes eine Rolle. „Eine Herausforderung sind die begrenzten Therapiemöglichkeiten – nur wenige Wirkstoffe wie Metformin oder Liraglutid sind derzeit für Kinder zugelassen“, erklärt der Tagungspräsident. Liraglutid, ein sogenannter GLP-1-Rezeptoragonist, darf in Deutschland inzwischen auch bei Kindern ab 10 Jahren eingesetzt werden – ein Hinweis darauf, wie dringlich das Thema Typ-2-Diabetes bei jungen Menschen inzwischen geworden ist. „Liraglutid, das ist für viele gleichbedeutend mit der bekannten Abnehmspritze. Dabei handelt es sich jedoch in erster Linie um ein Medikament zur Behandlung einer chronischen Stoffwechselerkrankung – und nicht um ein Mittel zur Gewichtsreduktion, womöglich aus kosmetischen Gründen“, betont Müssig.

Für andere Medikamente fehlen bislang Daten zur Sicherheit und Wirksamkeit im Kindesalter. „Wir müssen herausfinden, welche Therapien für Jugendliche langfristig sicher und wirksam sind. Solange dies nicht geklärt ist, bleibt die wichtigste Maßnahme: Prävention und Aufklärung, um die Krankheit gar nicht erst entstehen zu lassen“, so Müssig.

Verhältnisprävention wirkt – und findet breite Unterstützung

„Es wird derzeit viel und gern über Prävention gesprochen, aber die Politik zieht noch immer die falschen Schlüsse: Es reicht nicht aus, an die Eigenverantwortung zu appellieren und auf Aufklärung oder Bildungsangebote zu setzen. Wir brauchen verbindliche rechtliche Rahmenbedingungen, die die gesunde Wahl für Bürgerinnen und Bürger zur einfachen Wahl machen – unabhängig von Herkunft, Bildungsgrad oder Geldbeutel“, sagt Barbara Bitzer, Sprecherin der Deutschen Allianz für Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) und Geschäftsführerin der DDG, Berlin.

Die DDG und das Wissenschaftsbündnis DANK fordern daher umfassende Maßnahmen, um Kinder und Jugendliche wirksam zu schützen: Einschränkung von Werbung für ungesunde Lebensmittel, wenn diese sich an Kinder richtet, eine Herstellerabgabe auf stark zuckergesüßte Getränke und eine Mehrwertsteuerentlastung gesunder Lebensmittel, verbindliche Standards für die Schulverpflegung und mehr Bewegung in Schule und Alltag.

„Ein solches Maßnahmenpaket würde es allen Menschen in Deutschland erleichtern, sich gesund zu ernähren und mehr zu bewegen und könnte mehr Lebensjahre mit guter Lebensqualität garantieren – und Maßnahmen für eine gesündere Ernährung werden von der Bevölkerung klar unterstützt“, so Bitzer. Laut einer Umfrage des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) befürworten über 9 von 10 Menschen die Abschaffung der Mehrwertsteuer auf gesunde Lebensmittel, fast 9 von 10 sprechen sich für strengere Werbeschranken zum Schutz von Kindern aus, 79 Prozent unterstützen eine Abgabe auf stark zuckerhaltige Getränke.

Quelle: Deutsche Diabetes Gesellschaft e.V. (DDG)


 

Herz-Kreislauf-Risiken von Xylitol

Eine aktuelle Forschungsarbeit gibt Hinweise darauf, dass der Zuckerersatzstoff Xylitol mit einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse verbunden sein könnte. Verschiedene Untersuchungsmethoden ergaben, dass hohe Xylitol-Werte im Blut die Aktivierung von Blutplättchen fördern und das Thromboserisiko erhöhen könnten.

Bei Xylitol, auch Birkenzucker genannt, handelt es sich um einen Zuckeralkohol welcher in verarbeiteten Lebensmitteln als Zuckeraustauschstoff zum Einsatz kommt. Zuckeralkohole können auch endogen gebildet werden, allerdings in wesentlich geringeren Konzentrationen als nach dem Verzehr von Zuckeraustauschstoffen. Eine Untersuchung aus den USA hat nun die kardiovaskuläre Sicherheit von Xylitol näher beleuchtet.

Zuckeraustauschstoff Xylitol: Herz-Kreislauf-Risiken?

Eine Metabolomik-Analyse wurde an Nüchtern-Blutproben einer Kohorte (n = 1 157) durchgeführt, welche sich einer kardiologischen Untersuchungen unterzog. Es wurde festgestellt, dass erhöhte Xylitol-Werte im Blut mit einem erhöhten Risiko für schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse (MACE) innerhalb von 3 Jahren assoziiert sind. In einer weiteren, unabhängigen Validierungskohorte (n = 2 149) bestätigten spezifische Massenspektrometrie-Analysen (LC-MS/MS-Analysen) diesen Zusammenhang (Hazard Ratio, HR: 1,57; 95 % Konfidenzintervall, KI: 1,12 – 2,21; p < 0,01).

Erhöhte Xylitol-Werte in Blutproben mit höherem kardiovaskulären Risiko assoziiert

Vollblut- und Tierstudien zeigten, dass Xylitol die Reaktivität der Blutplättchen signifikant erhöhte. Dabei wurden mehrere Indikatoren der Blutplättchenaktivität und eine verstärkte Thrombosebildung festgestellt. Desweiteren wurde eine Interventionsstudie mit gesunden Probanden (n = 10) durchgeführt, um die Auswirkungen des Xylitol-Konsums auf die Blutplättchenfunktion zu bewerten. Nach dem Konsum eines mit Xylitol gesüßten Getränks stiegen die Xylitol-Werte im Blut signifikant an, was eine erhöhte Blutplättchenreaktion bewirkte.

Xylitol steigerte Blutplättchenaktivierung und Thromboserisiko

Die Studienergebnisse geben Hinweise auf eine Assoziation zwischen erhöhten Xylitol-Konzentrationen und einem erhöhten kardiovaskulären Risiko. Xylitol steigert möglicherweise die Blutplättchenaktivität und das Thromboserisiko. Die Autoren halten weitere Studien erforderlich, um den Einfluss von Xylitol auf die kardiovaskuläre Gesundheit genauer zu untersuchen.

Quelle: DeutschesGesundheitsPortal


 

Stark verarbeitete Lebensmittel erhöhen Krankheitsrisiko

Der häufige Konsum stark verarbeiteter Lebensmittel steht laut aktueller Forschungsergebnisse in eindeutiger Verbindung mit zahlreichen chronischen Erkrankungen und psychischen Störungen, zeigte ein Umbrella-Review über 39 Metaanalysen. Besonders überzeugende Belege wurden für eine Verschlechterung der Nierenfunktion sowie Atemprobleme bei Kindern gefunden.

Auch Erkrankungen wie Diabetes mellitus, Übergewicht, Adipositas und psychische Störungen sind stark mit dem Verzehr dieser Produkte assoziiert. Der Konsum von stark verarbeiteten Lebensmitteln hatte keine gesundheitlichen Vorteile.

Stark verarbeitete Lebensmittel (Ultra-Processed Foods, UPFs) nehmen weltweit stark zu und gelten als Risikofaktor für nichtübertragbare Erkrankungen.

Umbrella-Review über 39 Metaanalysen

Insgesamt wurden 39 Metaanalysen zum UPF-Konsum und den entsprechenden Gesundheitsfolgen identifiziert und durch 122 neue Artikel zu 49 gesundheitlichen Endpunkten ergänzt. Die meisten Studien verglichen das höchste mit dem niedrigsten Konsumquartil. Es wurden 25 Gesundheitsendpunkte identifiziert, welche mit dem UPF-Konsum assoziiert sind. Nierenfunktionsstörung (Odds Ratio, OR: 1,25; 95 % Konfidenzintervall, KI: 1,18 – 1,33) und pfeifende Atemgeräusche bei Kindern und Jugendlichen (OR: 1,42; 95 % KI: 1,34 – 1,49) zeigten überzeugende Evidenz (Klasse I)

Fünf weitere Gesundheitsprobleme wiesen auf sehr wahrscheinliche Zusammenhänge hin (Klasse II), darunter Diabetes mellitus, Übergewicht, Adipositas, Depression sowie allgemeine psychische Störungen. Weitere beobachtete Gesundheitsprobleme mit schwächerer Evidenz waren Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, Sterblichkeit, Angsterkrankungen und abdominale Adipositas.

Gesundheitsgefahr durch stark verarbeitete Lebensmittel

Ein hoher Konsum stark verarbeiteter Lebensmittel geht mit einem erhöhten Risiko für zahlreiche chronische und psychische Erkrankungen einher. Keine einzige Studie berichtete einen gesundheitlichen Nutzen. Eine Ernährung mit niedrigem UPF-Anteil könnte daher weitreichende Vorteile für die öffentliche Gesundheit haben, so das Fazit der Studienautoren.

Quelle: DeutschesGesundheitsPortal


 

DMP Adipositas für Kinder und Jugendliche

Pädiatrische Verbände fordern zügige Implementierung

Das Disease Management Programm (DMP) Adipositas für Kinder und Jugendliche ist zum 01.07.2025 in Kraft getreten. Nun können die Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) mit regionalen Krankenkassen in Vertragsverhandlungen treten.

Die Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes- und Jugendalter (AGA) der Deutschen Adipositas-Gesellschaft e.V. (DAG) fordert gemeinsam mit der Konsensusgruppe Adipositasschulung für Kinder und Jugendliche e. V. (KgAS), der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische und Adoleszente Endokrinologie und Diabetologie (DGPAED), dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzt*innen e.V. (BVKJ), und der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG) eine zügige Umsetzung des DMPs.

Bislang gibt es in Deutschland kein strukturiertes Versorgungsangebot für Kinder und Jugendliche mit Adipositas und deren Familien. Die Betroffenen erleben oft eine Odyssee mit unnötigen Untersuchungen, Schuldzuweisungen und frustranen Therapieversuchen. Das soll sich nun ändern. Durch das DMP soll die Versorgungslage für Kinder und Jugendliche mit Adipositas in Deutschland (ca. 6,5 Prozent, also aktuell ca. 800.000) zwischen drei und siebzehn Jahren deutlich verbessert werden. Dazu soll letztlich das DMP für alle Betroffenen auch im Praxisalltag zeitnah verfügbar gemacht werden.

Das DMP soll bei Kindern und Jugendlichen mit Adipositas das Risiko verringern, dass die Erkrankung und bereits bestehende Komorbiditäten bis ins Erwachsenenalter fortbestehen bzw. sich ausweiten.

Eine Adipositas kann ganz unterschiedlich ausgeprägt sein, etwa mit Blick auf die Ursachen und die Krankheitslast, aber auch bezogen auf die Möglichkeiten, gesundheitlich ungünstige Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten zu ändern. Bei Kindern und Jugendlichen spielen als Ursachen vor allem nicht veränderbare genetische Einflüsse und darüber hinaus weitere Faktoren eine Rolle, die sich aus der familiären Situation beziehungsweise aus der sozialen Umgebung ergeben können. Deshalb soll im DMP Adipositas für Kinder und Jugendliche von den koordinierenden Ärztinnen und Ärzten ein am individuellen Bedarf orientierter Behandlungsplan aufgestellt werden, der das primäre Ziel einer Lebensstil-basierten Intervention, nämlich die Optimierung des Ernährungs- und Bewegungsverhaltens, aber auch die Erwartungen und Möglichkeiten der Kinder und Jugendlichen und ihrer Familien, berücksichtigt.

Zentraler Bestandteil des DMP sind ambulante Adipositasschulungsprogramme, die nun in Deutschland nach vielen Jahren der uneinheitlichen (Unter-)Finanzierung wieder eine Chance auf ihren berechtigten Platz in der Versorgungslandschaft für die Kinder und Jugendlichen mit Adipositas und ihren Familien erhalten können.

Gemeinsam wollen die Verbände einen Vorstoß bei den jeweiligen regionalen Kassenärztlichen Vereinigungen wagen und in Verhandlungen treten. Um den Prozess der Vertragsverhandlungen optimal zu begleiten, bieten sich die Verbände deshalb allen potentiellen Vertragsparteien als Gesprächspartner an. Die Verbände wünschen sich ein idealerweise bundesweit geschlossenes Vorgehen verbunden mit einer einheitlichen Vergütung in allen Bundesländern, sodass regionale Ungleichgewichte vermieden werden können und alle Betroffenen bundesweit die gleichen Versorgungsleistungen erhalten können.

Informationen zum DMP Adipositas für Kinder und Jugendliche:

https://www.g-ba.de/beschluesse/6936/

Quelle: Deutsche Diabetes Gesellschaft e.V. (DDG)


 

Raus aus der Kinder- und Jugendmedizin – rein ins Risiko?

Warum der Wechsel in die Erwachsenenmedizin für Jugendliche mit Diabetes oft schiefläuft und welche Gefahren bestehen

Der Übergang chronisch kranker Jugendlicher in die Erwachsenenmedizin – die sogenannte Transition – birgt erhebliche gesundheitliche Risiken. Jedes Jahr sind in Deutschland rund 3.200 Jugendliche mit Typ-1-Diabetes betroffen. Werden sie in dieser Übergangszeit nicht professionell begleitet, drohen ihnen Versorgungslücken, schlechtere Blutzuckerwerte und eine Zunahme von Diabeteskomplikationen. Besonders bewährt hat sich das strukturierte Berliner Transitionsprogramm (BTP), das Jugendliche zwischen 16 und 21 Jahren durch ein professionelles Fallmanagement unterstützt.

Der Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland e. V. (VDBD) betont die herausragende Rolle der Diabetesberatung in dieser kritischen Phase und ruft Eltern auf, die Transition ihrer Kinder aktiv zu begleiten.

Die Transition ist weit mehr als ein Wechsel vom Kinder- zum Erwachsenenarzt. „Sie bedeutet, dass Jugendliche Verantwortung für ihre Krankheit übernehmen, sich in einem neuen medizinischen Umfeld zurechtfinden müssen und jahrelange Bindungen zu einem vertrauten Behandlungsteam enden“, erklärt Dr. Silvia Müther, Diabetologin und Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin sowie Leiterin des Diabeteszentrums für Kinder und Jugendliche an den DRK Kliniken Berlin. „Dieser Prozess muss nicht nur medizinisch, sondern auch psychologisch gut vorbereitet, begleitet und individuell angepasst werden – sonst kann die Versorgung lückenhaft und die Stoffwechsellage instabil werden.“

Studien zeigen: Mindestens ein Drittel der Jugendlichen fällt nach dem Arztwechsel zeitweise aus der fachärztlichen Betreuung. 20 Prozent gehen im Prozess sogar ganz verloren. Die Folgen sind gravierend – das Risiko für Unterzuckerungen, diabetische Ketoazidosen oder erste diabetische Folgeschäden steigt.

Struktur, Zeit und Vertrauen schaffen Sicherheit

Das Berliner Transitionsprogramm (BTP) begegnet diesen Herausforderungen mit einem sektorenübergreifenden Versorgungsansatz. Fallmanagerinnen und -manager begleiten Jugendliche über einen Zeitraum von bis zu zwei Jahren – von der ersten Planung bis zur stabilen Anbindung an die Erwachsenenmedizin. Dazu gehören Transitionsgespräche, strukturierte Übergabeberichte, individuelle Beratung und Hilfe bei der Arztsuche.

„Das Besondere am BTP ist, dass es nicht nur medizinische, sondern auch psychosoziale Aspekte einbezieht“, sagt Pflegemanagerin und Pflegewissenschaftlerin Jana Findorff von den DRK Kliniken Berlin, die das Projekt mit initiiert hat. „Wir schauen mit den Jugendlichen nicht nur die Stoffwechselwerte, sondern auch auf Schulstress, Zukunftsängste und soziale Fragen. Das stärkt die Selbstständigkeit und verhindert, dass junge Menschen in dieser Lebensphase allein gelassen werden.“

Diabetesberatung als Schlüsselrolle

Gerade in der Transition sind Diabetesberaterinnen und -berater unverzichtbar. Sie begleiten Jugendliche individuell, vermitteln Gesundheitswissen auf Augenhöhe und fördern den Aufbau von Selbstverantwortung. „Wir sind oft die Konstante im System“, betont Yvonne Häusler, Diabetesberaterin an den DRK Kliniken Berlin und Vorstandsmitglied des VDBD. „Wenn sich Arztteams ändern und Eltern sich zurücknehmen, bleiben wir ansprechbar – auch emotional.“

Neben der medizinischen Anleitung hilft die Diabetesberatung bei praktischen Fragen: Wie kann ich meinen Therapiealltag organisieren? Was passiert mit meiner Insulinversorgung, wenn ich zum Studieren in eine andere Stadt ziehe?

Ratschläge für Eltern: Loslassen lernen – aber nicht allein

Der VDBD rät Eltern, sich frühzeitig mit der bevorstehenden Transition auseinanderzusetzen. „Eltern haben ihre Kinder über viele Jahre mitversorgt – das Loslassen fällt vielen oft schwer“, so Häusler. „Doch genau hier braucht es professionelle Unterstützung. Eltern sollten nicht aus Angst klammern, sondern die Eigenverantwortung der Jugendlichen gezielt fördern – gemeinsam mit den Fachkräften.“

Wichtig ist, die Transition aktiv zu begleiten: Fragen stellen, bei der Arztsuche unterstützen, rechtzeitig mit der Krankenkasse sprechen.

Angebote wie das BTP, das Schulungsprogramm „Fit für den Wechsel“

btp-ev.de/wp-content/uploads/2018/11/RZ_Jugendbroschu_re_2016.pdf

oder der Between-Kompass

between-kompas.de

bieten hilfreiche Orientierung für Familien.

Transitionsstrukturen brauchen finanzielle und politische Unterstützung

„Ein gelungener Übergang in die Erwachsenenmedizin entscheidet über die langfristige Gesundheit junger Menschen mit Diabetes“, betont Häusler. „Dafür brauchen wir verbindliche Transitionsstrukturen, eine faire Finanzierung durch die Krankenkassen – und vor allem: die Wertschätzung der professionellen Diabetesberatung als Schlüsselstelle in diesem Prozess.“

Der VDBD fordert daher eine flächendeckende Verankerung strukturierter Transitionsprogramme und ruft Politik, Krankenkassen und Versorgungseinrichtungen auf, die Phase zwischen Jugend- und Erwachsenenmedizin nicht länger dem Zufall zu überlassen.

Quelle: Verband der Diabetesberatungs- und Schulungskräfte VDBD


 

Selbsthilfe Niere – Prävention, Dialyse, Transplantation

Diagnose Nierenversagen …

Ein endgültiges Nierenversagen ist nicht heilbar. Es bleibt nur die lebenslange Behandlung mit der künstlichen Niere oder die Transplantation einer Spenderniere. Die Dialyse stellt eine große körperliche Belastung dar und ersetzt nur ca. 20 Prozent der eigentlichen Nierenfunktion.
Giftstoffe und Flüssigkeiten, die sich im Körper angesammelt haben, müssen aus dem Blut über eine Dialysemembran oder über das Bauchfell entfernt werden. Im Laufe der Zeit stellen sich u. a. solche schwerwiegenden Erscheinungen wie Anämie (Blutarmut), Polyneuropathie (Nervenerkrankung), schwere Hautveränderungen, Gicht, Knochenerkrankungen und bei Kindern Wachstumsstörungen ein.

Stellen Sie sich vor:

SIE müssen sich als Dialysepatient dreimal wöchentlich in die Abhängigkeit einer Maschine begeben, und das für den Rest Ihres Lebens, wenn sich keine Chance auf eine Transplantation ergibt.
SIE müssen konsequent auf eine auf ein Minimum reduzierte Flüssigkeitszufuhr und außerdem ständig auf strenge Diätregeln achten, weil sonst Ihr Leben in unmittelbare Gefahr gerät.
IHRE gesamte Familie muss sich in der Gestaltung des Zusammenlebens nach dem unausweichlichen Dialyserhythmus richten.
SIE müssen Medikamente einnehmen, um Ihrem Körper wichtige Elemente, die durch die Dialysebehandlung ebenfalls entzogen wurden, wiederzugeben und die perspektivisch Schaden verursachen könnten.
SIE verlieren nach und nach Ihre Leistungsfähigkeit, werden eventuell erwerbsunfähig oder finden als Behinderter keine Anstellung.
So ergeht es vielen Menschen.
1991 gründeten Betroffene den Dialyseverband Sachsen e. V., um andere durch ihre eigenen Erfahrungen zu unterstützen. Viele Betroffene haben in regionalen Vereinen eine emotionale Heimat unter Gleichgesinnten gefunden, ihr Wissen um die Erkrankung erweitert und so ihre Lebensqualität positiv beeinflusst – auch Sie können das!
Kontakt zur Selbsthilfe:
Sächsischer Landesverband Niere e. V.
Heinrich-Lorenz-Str. 15, 09120 Chemnitz